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Buchtipp

Christentum – Jesus = Religion

Noch ein Buch über Jesus? Als Christ muss man „Der wilde Messias“ ja wohl nicht lesen, denn Jesus, den kennt man doch wirklich gut genug. Denkt man jedenfalls…

Kennen Sie Jesus? Wohl kaum ein Christ wird diese Frage ernsthaft verneinen. Aber kennen wir ihn wirklich – oder kennen wir nur bestimmte Bilder von Jesus, die im Laufe unseres Lebens durch Kirche, Gesellschaft und eigene Vorstellungen entstanden sind? Und: Schon mal daran gedacht, Jesus als „wilden Messias“ zu bezeichnen?

Dynamik und wilde, ursprüngliche Kraft

In ihrem gleichnamigen Buch fordern Alan Hirsch und Michael Frost dazu heraus, altbekannte Bilder von Jesus aufzugeben. Sie beleuchten außerdem, welche Konsequenzen dies für christliches Leben, Mission und Gemeinde hat:

„Wenn wir von Jesus gepackt sind, dann können wir nicht anders, als Gott, die Kirche und die Welt mit anderen Augen zu sehen. (…) Von diesem Startpunkt aus wollen wir den von Jesus gelehrten und gelebten Lebensstil und Glauben anschauen und seine Dynamik neu entdecken. Wir werden hier keine Zusammenfassung seiner Lehren geben – so viele Bücher haben dies bereits viel kompetenter getan, als wir es je könnten. Uns geht es vielmehr darum, Jesu Mitte, seine Spiritualität neu zu entdecken und mit der wilden und ursprünglichen Kraft, die von Jesus ausging, in Berührung zu kommen.“ (S. 51)

Klingt beim ersten Hören vielleicht nicht neu und wenig spektakulär. Das mag daran liegen, dass wir Vieles schon seit der Kinderstunde wieder und wieder gehört haben, so dass wir die Kraft der Aussagen und Taten von Jesus gar nicht mehr spüren. Gerade deshalb lohnt es sich, die Vorstellungen zu hinterfragen, die man bisher von Jesus hatte.

Was würde Jesus wirklich tun?

Vielleicht würde man dann z.B. zu dem Schluss kommen, dass wirkliche Hingabe an Jesus zu ganzheitlichen Reaktionen auf Fragen der Wirtschaft, der Umwelt und der Politik herausfordert. Oder dass so manche christliche Aktion zu kurz greift, wie z.B. die „What would Jesus do?“-Kampagne, wie Frost und Hirsch ausführen:

„Wie gerne würden wir diese Kampagne noch einmal starten und diesmal die größeren Fragen mit einbeziehen. Was würde Jesus angesichts dieser konsumorientierten Welt tun, in der wir leben? Wie würde seine Antwort auf die Umweltkrise aussehen? Wie würde Jesus auf die Reality-Fernsehsendungen reagieren, die jeglichen Anstand über Bord werfen?“ (S. 58)

Die Kirche: Ohne Jesus nur eine tote Institution

Frost und Hirsch geht es um ganzheitliche Spiritualität, in der es keine falsche Trennung zwischen heilig und weltlich gibt. Die Gemeinde braucht die Prägung ihres Gründers, um nicht zu einer bloßen Institution zu verkommen: „Das Christentum ohne das Herzblut, die Vision und die Liebe des wirklichen Jesus wird zu einer seelenlosen Religion.“ (S. 88)

„Der wilde Messias“ ist philosophisch und herausfordernd geschrieben. Die vielen Bezüge auf Filme, Musik, Kunst und Weltliteratur zeigen den Weitblick der Autoren und werden gekonnt dazu genutzt, theologische und geistliche Fragen zu illustrieren.

Ich habe selten ein Buch gelesen, das ein für Christen so vertrautes Thema so radikal neu und erfrischend betrachtet. Bequem ist das oft ganz und gar nicht. Aber spannend! 
  

"Der wilde Messias. Mission und Kirche von Jesus neu gestaltet."
("Der wilde Messias" im Shop von ERF.de bestellen)
Michael Frost & Alan Hirsch
Neufeld Verlag
250 Seiten, Taschenbuch
€ 14, 90

Autor: Ilona Mahel


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Leserbrief zu diesem Beitrag

Von Philipp Jonas am 12.08.2009, 22:53 Uhr.
Liebe ...
zu jeglichem Jesus-Buch finde ich die Ausstellung im Bode-Museum Berlin sehr bereichernd (-:
Philipp
Von David Sierig am 12.08.2009, 17:16 Uhr.
Lieber Leser,
Unbedingt lesenswert. Aber Achtung, es könnte eine radikale Veränderung erfolgen.
Gern reihe ich mich ein in die Armee der "kleinen Jesususse", wie die Autoren schreiben.
Möge das Reich unseres VATERs kommen,
David Sierig
Von Heide Rose am 10.08.2009, 18:41 Uhr.
Sehr geehrte Damen und Herren, der Titel "Der wilde Messias" erinnert zusammen mit dem Löwen auf dem Einband an den Löwen Aslan aus den Narnia-Geschichten, der ja für Jesus steht. Dort wird von Zeit zu Zeit betont: "He's not a tame lion".
Mit freundlichen Grüßen
Heide Rose
Von HeHe am 08.08.2009, 12:10 Uhr.
Lest das Buch und euch werden die Augen aufgehen!
Mein Mann und ich lesen es gerade und sind begeistert. Die beiden Autoren sprechen uns aus der Seele. Guter Tipp: Lest dann auch das Buch "Ich muss verrückt sein so zu leben" von Shane Claiborne. Das ist sozusagen die umgesetzte Praxis.
Uns geht es so: wir sehen immer wieder, dass in unseren Gemeinden Jesus nicht mehr im Mittelpunkt steht, zumindest nicht der Jesus der Evangelien. Wenn wir uns an ihm ausrichten, dann sieht die Welt wirklich anders aus und das Reich Gottes kommt. Natürlich ist es erst mal schockierend die alten "Jesusbilder" aufgezeigt zu bekommen und zu erkennen, so kann er gar nicht sein. Es ist absolut schockierend zu erkennen: wir in unserer "Amtskirche" sind sehr oft Pharisäer. Das schöne aber ist: auch das ist uns vergeben, wenn wir umkehren.
Von Mathias Schneider am 06.08.2009, 22:49 Uhr.
Herr PeterOberkinkhaus hat mit seinen fünf Zeilen den Nagel auf den Kopf getroffen.Was nützt es wenn man von Jesus weiß, wer Er ist und was Er vollbracht hat,aber wir lassen Ihn nicht in unser Herz,das nur Er verändern kann durch Seinen Geist.Das Buch von Frost und Hirsch habe ich noch nicht gelesen,aber ich werde es kaufen.In vielen Gemeinden gibt es ja keine Gemeinschaft mit den Geschwistern;damit meine ich "eine innige Gemeinschaft, so dass man die Gegenwart Jesu spüren kann.
Von Björn Wagner am 06.08.2009, 11:59 Uhr.
Danke für diese gute Kritik zu dem Buch! Das freut mich persönlich!
Von PeterOberkinkhaus am 06.08.2009, 6:50 Uhr.
Ich finde diesen Artikel sehr provozierend. Und das ist gut so. Erstarrte Traditionen, die wir leben, lassen dem Geist Gottes keine Möglichkeit, zu wirken. Auf der einen Seite beklagen wir die Geistlosigkeit in vielen Gemeinden. Woran liegt das?
Wir brauchen wieder mehr das Fragen nach dem Willen Gottes!