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Interview

Wenn Schönheit Appetit auf Gott macht

"Beautiful" heißt das neue Album von Anja Lehmann. Im Interview verrät die Sängerin, wieso Perfektionismus kein Muss ist und warum der Glaube an Gott schön

Gott anzubeten ist Anja Lehmanns große Leidenschaft. Und als Lobpreissängerin ist sie vielen auch von Großveranstaltungen wie Pro Christ oder dem Willow Creek Kongress bekannt. Ihre neue CD ist allerdings ein eher ungewöhnliches Lobpreisalbum mit einer Mischung aus R&B, Soul und "easy-listening Jazz". ERF.de hat bei der jungen Schweizerin nachgefragt, warum es bis zu ihrem neuen Album etwas länger gedauert hat und was es mit „Beautiful“ auf sich hat.

ERF.de: Dein letztes Soloalbum „I still believe in you“ hast du 2003 herausgegeben. Was hat dich motiviert, jetzt wieder eine Solo-CD aufzunehmen?

Anja Lehmann: Die Motivation war schon immer da. Ich wollte gerne weitermachen mit dem Schreiben von Songs und eine neues Album herausbringen. Aber viele andere Projekte hatten sich ergeben: Referendariat, mein zweites Staatsexamen, die CD mit meinen Schwestern und so weiter. Und dann geht die Zeit schneller vorbei, als man schauen kann.

Der Titel deiner neuen CD heißt „Beautiful“ („schön“) – ein Begriff, der heute besonders bei Frauen manchmal der Inbegriff aller Sehnsucht ist. Wie definierst du Schönheit für dich ganz persönlich?

Wenn ich über Schönheit bei Frauen nachdenke, merke ich, dass ich es als schön empfinde, wenn eine Frau eine zufriedene Ausstrahlung hat und einen aufrechten Gang, also einen innere aufrechte Haltung. Irgendwie kann man das weder hin- noch wegschminken. Man bekommt das nicht aus dieser Person raus, so eine Art von Würde. Das finde ich sehr schön. Ansonsten ist Schönheit, was ich um mich herum sehe in der Natur, aber vor allem auch, was ich an Gottes Wesen, an seiner Art sehe.

Locker werden

Als Sängerin und Anbetungsleiterin stehst du oft im Rampenlicht. Da wächst vermutlich auch der Druck, schön und attraktiv zu sein. Empfindest du das so und wie gehst du damit um?

Ich empfinde das manchmal sogar ganz stark. Aber nicht unbedingt nach dem Motto: „Ich muss schön sein“ – denn rein vom Äußeren her ist „schön“ ja ein sehr relativer Begriff. Sondern eher dieses: Man muss immer „an“ sein, man ist immer repräsentativ. Man kann nicht sagen: Ich habe gestern viel Gemüse gegessen, heute habe ich Blähungen, der Bauch steht raus. Entweder man zieht ihn auf der Bühne dann ein und kann nicht gut singen, oder man lässt ihn raushängen und kann gut singen. Das ist etwas ganz Normales. Man kann nicht alles verstecken. Man muss da auch locker werden.

Was ich aber nicht mag, ist die Tatsache, dass man manchmal gar keine Chance hat, einfach nur zu sein oder auch mal locker zu lassen. Wenn wir morgens auf der Bühne Soundcheck machen, es ist 8 Uhr, ich habe noch nicht einmal richtig gefrühstückt und da steht schon einer mit der Kamera und ist am Bildermachen - da werde ich dann meistens auch eher ranzig. Das finde ich aber auch nicht übermäßig eitel, sondern das darf eine Frau auch: Sich entscheiden, wann sie sich präsentabel fühlt und wann nicht.

Du hast gesagt, man muss locker werden. Wie hast du das gelernt?

Manchmal denke ich, es ist ganz gut, wenn man gar nicht so perfekt ist. Dann muss man sich daran gewöhnen, dass man Unperfektheiten hat und dass die Leute das früher oder später sowieso sehen. Dann kann man sich die Mühe auch sparen, das so lange wie möglich zu vertuschen.

Schönheit trotz offenen Fragen

Anja Lehmann

Beautiful

CD 939 661

17,99€ (D)

Bei Gerth Medien bestellen (lieferbar ab 11.09.2009)

Auf deiner CD bezieht sich Schönheit vor allem auf Gott. Wolltest du mit „Beautiful“ eher einen Aspekt der Beziehung zu Gott beschreiben oder Gott selbst?

Irgendwie alles. Für mich läuft das alles aus Gott heraus: Meine eigene Schönheit, die Schönheit der Menschen, die ich um mich herum sehe, die Schönheit der Natur, diese unfassbare Kreativität – all das ist für mich Wesen Gottes. Das widerspiegelt sich darin und es widerspiegelt sich auch in einem Partner, der Liebe ausdrückt oder jemandem, der verzeiht. Da ist vielleicht etwas Schlimmes vorgefallen und wenn man da verzeiht, das ist für mich Schönheit. Und das ist alles Gott.

Haben diese Gedanken auch in dir selbst und in der Art und Weise, wie du dich annimmst, wie du mit dir umgehst, etwas verändert?

Ja, unbedingt! Weil ich manchmal viel besser bejahen konnte, wie ich gestrickt bin. Weil ich auch einen liebevollen Wesenszug Gottes darin entdeckt habe und nicht so den Druck: So müsste ich jetzt sein und anders müsste ich jetzt sein. Sondern: Ich darf sein. Und das, was Gott verändern möchte in mir, das wird er auch verändern. Aber er hat eine viel liebevollere Art, als ich das manchmal gedacht habe.

Und diese Veränderung bringt Schönheit hervor. Wenn Gott mich zum Beispiel Dankbarkeit lehrt, merke ich: Ein dankbarer Mensch ist ein schönerer Mensch. Er ist lebendiger, er strahlt mehr aus. Und er macht Appetit auf diesen Gott, den er widerspiegelt.

Sehr viele Lieder der CD handeln aber auch von Krisen, schwierigen Situationen und Nichtverstehen. Wie passt das mit der Schönheit Gottes zusammen?

Wenn ich das mit einer Beziehung vergleiche, dann können zwei Menschen voneinander angezogen sein von der äußeren Schönheit und all dem, was man so auf den ersten Blick preisen kann. Von außen sagt man dann: Seid ihr aber ein schönes Paar. Das spricht aber niemals für die Tiefe, die die Beziehung hat.

Und ich merke, wenn man in der Beziehung mit Gott in so eine Tiefe hineingerät, dann braucht es diese bodenlose Ehrlichkeit, eben auch Hässliches oder Unschönes ansprechen zu können. Wenn eine Beziehung das dann aber aushalten kann, wenn daraus Schönes hervorgeht, dann hat das für mich dieses „Dach von Schönheit“.

Dinge, die zählen

Das Thema „Gerechtigkeit“ scheint dich ebenfalls stark beschäftigt zu haben. Hat dieser Aspekt des christlichen Glaubens für dich in den letzten Jahren eine neue Dimension bekommen?

Ich weiß, wie viele Menschen in ihrer Würde wirklich getreten werden auf dieser Erde. Das finde ich so bodenlos ungerecht. Das hat mich auch schon immer gestört. Und ich habe gemerkt: Irgendwie hat es sich in den letzten Jahren ergeben, dass ich eine Plattform bekommen habe und auch ein Mikrophon, das meine Stimme verstärkt. Und dann sage ich am liebsten Dinge, die wichtig sind und die man hören muss. Ich möchte eine Stimme sein für Leute, denen keiner zuhört und die keine haben.

Kannst du dir vorstellen, dass das in Zukunft auch noch ein größerer Schwerpunkt von deiner Arbeit wird?

Ja, auf jeden Fall. Ich taste mich da auch erst langsam ran, wie genau das aussehen kann. Aber ich merke: Gott ist auch da ein kreativer Gott und schenkt Ideen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Exklusiv für ERF.de-Leser:  Gerth Medien stellt den Titel "Arise" aus dem neuen Album für den Zeitraum vom 21.08.09-28.08.09 zum kostenlosen Download zur Verfügung.

(Fotos: Simone Fischer-Tretzer)

 

 

 

Autor: Hanna Keller


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Leserbrief zu diesem Beitrag

Von Schmitz Paul am 23.08.2009, 19:36 Uhr.
wunderbar dieser Beitrag Beautiful schön durch die Liebe Gottes.Eine Frau die Gefühle zuordnen kann und dann durch Ihren Gesang den Menschen für Gott sensibilisiert.Aus Ihren Zeilen erwächst Hoffnung für Viele.Sie nutzt jede Gelegenheit auf Gott aufmerksam zu machen und die Schönheit der Natur u. Tiere auch auf den Menschen zu übertragen, dieses Schöne findet zuerst im Inneren statt , die Verbindung Gottes durch das Gebet. Es macht uns frei und glücklch aber auch kreativ unsere Ausstrahlung wirkt beruhigend.