"Ohne ihn könnte ich gar nichts tun"
Sie wurde die Mutter Teresa von Dresden genannt: Sabine Ball. Im Alter von 83 Jahren ist sie jetzt in Dresden gestorben. Ein Rückblick.
Sie wurde "Mutter Teresa von Dresden" genannt, engagierte sich mit dem Verein Stoffwechsel e.V. für Jugendliche und Familien in Not und lehnte 1996 das Bundesverdienstkreuz ab. Sie war der Meinung, dass „allein Gott das Verdienst zukommt“. Die Rede ist von Sabine Ball, die in der Nacht vom 6. auf den 7. Juli im Alter von 83 Jahren in Dresden gestorben ist.
Aufgewachsen war Sabine Ball, geborene Koritke, in einer gut situierten Familie in Königsberg. Sie hatte große Pläne für ihr Leben. Sie wollte studieren, das Leben genießen. Der Kriegsbeginn 1939 macht das alles zunichte. Vor den Russen flieht Sabine zu Freunden nach Dresden. Dort überlebt sie die Phosphorbomben und flüchtet mit ihrem kleinen Bruder nach Dessau. Als dort ebenfalls Bomben fallen, festigt sich das Verlangen, auszubrechen. Mit dem geregelten Leben ihrer Eltern kann sie nichts anfangen. Sie will etwas Neues beginnen. Sie will mehr als nur existieren, nicht nur funktionieren. Sie will frei sein!
Amerika, ich komme!
1949 wird der Wunsch der 24jährigen wahr: Eine Tante holt Sabine nach Amerika. Sie arbeitet als Hausmädchen und absolviert in Abendkursen eine Hotelfachschule. Sie bekommt einen Job als Hostess in einem Hotel und steigt bald zur Managerin eines Yachtclubs in Miami Beach, Florida, auf. Hier verkehren die Schönen und Reichen. Sabine ist glücklich. Hier würde sie ihr Glück finden!
Ein Traum wird wahr
Als Sabine Clifford Ball, den Sohn eines Multimillionärs, kennen lernt, ist das „Glück“ zum greifen nah: Sie heiratet ihn und ist scheinbar am Ziel ihrer Träume. Ganz oben angekommen, hat sie mehr Geld, als sie jemals ausgeben kann. Sie lebt fortan in vielen Teilen der Welt: Miami, Santa Barbara, Istanbul, Karatschi, San Francisco und New York. Sie trifft Richard Nixon und tanzt mit dem Schah von Persien. Sie hat alles, was sie immer wollte...
Träume sind Schäume
Doch der Traum währt nicht lang: Sabines Mann wird Alkoholiker. Nach zehn Jahren lässt sie sich scheiden. Ihre Söhne sind damals fünf und acht Jahre alt. Von der Scheidungsabfindung kauft sie ein kleines Haus in Kalifornien. Um über die Runden zu kommen, muss sie jetzt arbeiten. Sie vermietet Zimmer an Studenten und kocht für sie. Ihre Suche nach dem Glück geht weiter.
Von tiefer Sehnsucht getrieben, auf der Suche nach Antworten über den Sinn des Lebens probiert Sabine alles Mögliche aus. Sie gründet eine Hippiekommune, um sie von den Drogen abzubringen. Sie reist nach Indien, um die mystischen Erfahrungen des Buddhismus kennenzulernen. Sie macht eine sexuell freizügige Gestalttherapie. Nirgends entdeckt sie aber die Wahrheit für ihr Leben.
Auf dem richtigen Weg
Zuhause in der Hippiekommune hatte damals die Jesus-Bewegung Einzug gehalten. Dort lernt Sabine Tommy kennen, mit dem sie sich regelmäßig zum Bibel lesen trifft. Sie wird wütend, denn sie will nicht einsehen, dass Jesus beansprucht, selbst die einzige Wahrheit zu sein. Diese Einstellung hält sie für intolerant. Erst als Tommy zu ihr sagt: „Sabine, du bist im Dunkeln! Jesus ist für dich gestorben. Gott gibt alles. Gott gibt sich selbst. Für dich. Ohne Wenn und Aber. Du darfst leben!“, gibt sie auf. Sie beginnt ein neues Leben mit diesem Gott. Die Begegnung mit Jesus am Kreuz hat sie verändert.
Neue Aufgaben
Seit diesem Tag im April 1972 hat sich das Leben der Sabine Ball drastisch verändert. Sie irrt nicht mehr rastlos umher auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Sie will ihr Leben seitdem sinnvoll für Gott einsetzen. Sie kümmert sich um heruntergekommene Menschen, um Prostituierte, Drogenabhängige, Straßenkinder. Sie tut, was sie gerade für nötig hält: Sie gründet ein Schwesternhaus für misshandelte Frauen, begleitet alte, sterbende Menschen.
„Scheiß Amis! Scheiß Welt! Scheiß Leben!“
1980 reist sie zum ersten Mal nach 32 Jahren wieder nach Deutschland, um 1992 endgültig dorthin zurückzukehren. Angerührt von einer Graffitischrift in Dresden „Scheiß Amis! Scheiß Welt! Scheiß Leben“ beschließt sie, dieser Hoffnungslosigkeit entgegenzutreten. Die Not der Kinder und Jugendlichen in der Wendezeit lässt sie nicht kalt. Sie leben zum Teil auf der Straße. Das ist der Anlass, eine Anlaufstelle für solche Straßenkinder zu schaffen: »Stoffwechsel e.V.« Sie beginnt in einem ehemaligen Schnapsladen, der als Café dient. Dazu kommt ein Second-Hand-Laden und zwei Häuser für betreutes Wohnen.
Die Vereinsleitung hatte sie bereits im jahr 2005 an den Mitgründer Ralf Knauthe abgegeben, dennoch war sie auch in ihren letzten Lebensjahren aktiv. Auf die Frage, woher sie die Kraft für alles nimmt, antwortete sie:
„Es ist Gott, der alles tut. Ohne ihn könnte ich gar nichts tun, ohne ihn wäre ich nicht. – Aber ich bin sicher: Er hat noch viel vor hier in Dresden.“
Weitere Infos zu Sabine Ball:
ERF Radio
- Herausragendes Lebenswerk
- "Mutter Teresa von Dresden": Nachruf und Porträt
- Geld macht nicht glücklich
ERF Fernsehen
Anlässlich des Todes von Sabine Ball ändert ERF eins sein aktuelles Programm und sendet an folgenden Terminen eine "Hof mit Himmel"-Wiederholung mit Sabine Ball:
Mi., 8.7., 19.00 Uhr
Do., 9.7., 17.00 Uhr
Fr., 10.7., 21.30 Uhr
Links
www.stoffwechsel.com
www.sabine-ball-stiftung.de
Ihr drittes Buch-Projekt "Sabine Ball - Begegnungen und Erinnerungen" wurde vor wenigen Tagen abgeschlossen und erscheint im August im Brunnenverlag (Infos und Leseprobe), auch zu beziehen über den ERF.de-Shop.
Bisher erschienen:
Mehr als Millionen. Sabine Ball: Millionärin - Hippie - Mutter Teresa von Dresden, 9,95 Euro.
Mehr wert als Millionen. Sabine Ball, das "Stoffwechsel" und Gottes gefundene Kinder, 8,95 Euro.
(Foto: stoffwechsel.com)
Leserbrief zu diesem Beitrag
- Von Dr. med. Friedrich-Eberhard Hahn am 13.07.2009, 15:06 Uhr.
- Mit Sabine Ball,, eine Königsbergerin, ist ein wundervoller Mensch von uns gegangen, von denen es leider viel zu we nige gibt. Dr. Hahn
- Von Alois Lauber am 13.07.2009, 4:46 Uhr.
- Ich muß gestehen, daß ich durch Ihren Beitrag erstmals von
Sabine Ball gehört, bzw. gelesen habe. Ihr Lebensweg hat mich sehr beeindruckt. Diese großartige Frau verdient meinen Respekt und meine Hochachtung und
die Würdigung als Mutter Teresa von Dresden.
Lieber Gott schenke uns weiterhin solche Vorbilder.
Alois Lauber - Von iris kerbl am 08.07.2009, 23:58 Uhr.
- ich habe gerade über sie gelesen, u. eigentlich das 1.mal von ihr gehört hier. Aber es hat mich zutiefst beruhigt..ES GIBT NOCH HOFFNUNG
Und das IST JESUS CHISTUS, DER HERR, ALLEIN...
DANKE ELKE - Von Franziska Bräker am 08.07.2009, 21:03 Uhr.
- Gerade bin ich im Internet, schaue nach einer Sendung vom ERF, da entdecke ich diese Meldung. Im voriegem Jahr habe ich sie persönlich gesehen und gehört, bei einem der Frühstückstreffen christlicher Geschäftsfreunde. Beide Bücher über sie habe ich gelesen. Sie war eine von Gott begnadete und geliebte Frau und diese Liebe hat sie an viele Menschen weiter gegeben. Jetzt darf sie ausruhen in Gottes Armen. Ich durfte einwenig von ihrer Bescheidenheit lernen und freue mich sie zu kennen. Franziska Bräker
- Von Tony am 08.07.2009, 11:27 Uhr.
- Die Begegnung mit Sabine Ball hat mein Leben geprägt. Sie sagte, dass das Wichtigste im Leben wäre, auf Gott zu hören und ihm dann zu gehorchen. Das ist das Glück. Ihre Augen strahlten vor Liebe als sie es uns Bibelschülerinnen vor mehreren Jahren zum Abschied sagte. Für diese Worte und die Begegnung mit ihr bin ich ihr sehr dankbar. Das hat mir im Leben geholfen, mit schweren Situationen umzugehen und an Gottes Wegen mit mir nicht zu verzweifeln.
- Von Elke Blessing am 08.07.2009, 0:41 Uhr.
- Ich habe sie einen Tag vor ihrer Heimgang kennen gelernt und es war mit die schönste Begegnung die ich je hatte. Sie hat mit ihrer Begleitung intensivst für mich gebetet und mir ganz viel mit auf den Weg gegeben. Sie hat mich nach Dresden eingeladen, als ich noch mal einen Blick auf sie warf, sagte ich zu einem Gemeindebruder, wenn ich sie hier auf der erde nicht mehr sehen kann, dann freue ich mich riesig, dass ich sie in der Ewigkeit wieder treffen darf. Ich werde das was sie mir gesagt hat, auch durch das Gebet tun, dran bleiben, denn sie war in Jesus und Jesus in ihr und er hat durch sie gesprochen. Sie hat es super gut jetzt und ist bestimmt sehr glücklich und ihre Schäfchen in Dresden werden durch ein gutes Team weiter geführt und beschützt.
Wie ich dir gesagt habe Sabine, Du bist eine wertvolle Frau und Danke dass du auf Gott gehört hast! Bis bald, we see us in heaven!
Deine Elke....ja ich bleibe am Buch, versprochen. Danke für den Segen und das intensive Gebet für mich! - Von gabigojo am 07.07.2009, 20:45 Uhr.
- Diese Frau ist mir zum Vorbild und Symbol geworden. Es hat mich tief beeindruckt, welch hohe Ziele sie sich noch im Rentenalter setzte und was für aufopfernde Arbeit sie leistete und vor allem, was sie und wie sie durch Gebet vieles erreichte. Möge ihre Arbeit in guten Händen weitergehen, dass noch vielen Kindern in Dresden geholfen werden kann. Der Herr segne sie.
- Von andy55 am 07.07.2009, 16:20 Uhr.
- Ich habe vor einiger Zeit ihr Buch gelesen und war tief berührt. Jetzt darf sie ausruhen...
Aber ihr Leben und ihr Engangement für Gottes Sache ist mir Vorbild. Eine beeindruckende Frau! Ich finde es toll, dass Gott auch solches Bodenpersonal hat(te). Die jetzige Ruhe gönne ich ihr von herzen.
Andreasm - Von Christian michel am 07.07.2009, 16:18 Uhr.
- Es gehört zu den wichtigen und tiefen Momenten meines lebens dieser Frau begenet zu sein. Eine Mutter im Glauben.Christian


