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Magazin ANTENNE
ANTENNE September/Oktober 2010

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Anstoß
Ist der Gott, von dem bei Jesus und Paulus die Rede ist, ein „lieber Gott“? Und zeigt Gott sich dafür bei den Propheten des Alten Bundes als strafender und zürnender Herr der Welt? Gewiss, viele sehen das so. Denn Zorn und Gericht - das hätte ja nichts mit Gottes Liebe zu tun, die sich uns in seinem Sohn Jesus zeigt. Das wäre dann auch nicht in seinem Sinne und daher nicht christlich.
Es tut mir leid, aber das ist kurzschlüssig gedacht und oberflächlich gelesen. Ja - Gott zeigt im Neuen Testament, wie seine Liebe aussieht, in dem er Jesus in diese verlorene Welt schickt. Aber auch menschliche Eltern wissen: Liebe ohne Grenzen ist verantwortungslos und daher keine Liebe. Wer nicht verhindert, dass die lieben Kleinen sich die Finger an der Herdplatte verbrennen, der hat sie nicht wirklich lieb. Und so kann auch der große und allmächtige Gott nicht alles zulassen, was Menschen tun und lassen. Der Apostel Paulus ist einer der großen Denker des Neuen Testaments. Er schreibt im Brief an die Gemeinde in Rom: Gott lässt nämlich auch seinen Zorn sichtbar werden. Vom Himmel her lässt er ihn über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen hereinbrechen. Gott reagiert auf Unrecht. Und alle Menschen werden sich eines Tages vor ihm verantworten müssen. Das ist deutlich. Das ist nicht bequem. Aber das bedeutet auch Hoffnung. Wenn meine Seele schier untergeht im Leid, im Schmerz und in der Not meines Lebens und im Leben von Menschen um mich herum, dann will ich mich und Sie daran erinnern: Das ist nicht das letzte Wort aus der ganzen und ewigen Sicht Gottes. Dieses letzte Wort spricht der Vater im Himmel selbst. Und der ist kein „lieber Vater“, der sich zurechtbiegen lässt für eigene menschliche Wünsche und Bedürfnisse.
Die Autoren des Neuen Testaments sprechen ansteckend von ihrem Glauben an einen großen allmächtigen Gott, der nicht in alle Ewigkeit alle fünfe gerade sein lässt. Das Wann und Wie der so genannten letzten Dinge behält er sich vor. Aber seit den Tagen der ersten Christen ist klar: Sie glauben an einen Gott, der in der Lage ist, auf alle Ungereimtheiten dieser Welt am Ende sein großes und erlösendes Amen draufzusetzen.



