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Magazin ANTENNE
ANTENNE September/Oktober 2010

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Anstoß
In Sommernächten macht er die Nachbarschaft verrückt: Er quakt sich durch den Schlaf der Menschen, raubt ihnen bei geschlossenen Fenstern die Ruhe: der Frosch bläht sich auf. Ahnte er, dass er stört, wäre es ihm egal. Das ist halt seine Welt.
Auch die stummen Fische im Teich wissen nichts über andere Gewässer.
Bei den Menschen ist das ähnlich. In manchen Gärten werden Teiche seit Jahren umgestaltet, nachgebessert, ausgebessert, verschönert. So vergeht die Zeit und alles dreht sich um das eigene Gewässer. Jeder hält seinen Teich für den Ozean.
Liegt nicht für jeden in dem, was er kennt, was er hat oder zu glauben besitzt, sein Leben, sein Schatz? Oft genug wird kein anderes Denken, kein anderer Lebensstil respektiert – auch nicht der nötige Schlaf in einer Sommernacht.
„Eine letzte Wahrheit gibt es sowieso nicht…“, behaupten wir Menschen. Aus Gottes Warte sieht das anderes aus: er verletzt menschliche Tabus und sagt von sich: „Ich bin das A und O…! Ich bin der, der da ist und der da war und der da kommt.“
In einer Zeit, in der jeder verdächtig ist, der sich auf letzte Wahrheiten festlegt, können sich auch Christen nur verdächtig machen. Dieses „Ich bin…“ allerdings sagt: „Ihr könnt leben, als wäre euer Teich der Ozean. Doch ich bin der Ozean, der eure Gewässer umschließt, in denen ihr eure Träume träumt und eure Kriege gegen einander führt.“
Die Gewässer der Menschen sind begrenzt. Gerne hören wir das nicht. Wenn wir uns und unsere Teiche allerdings nicht so ernst nehmen, können wir besser miteinander auskommen. Es gibt allemal Größeres als unsere Pfütze: einen Ozean ohne Anfang und ohne Ende.



