"So weiß ich, was ich glaube"
Kämpfer für die Freiheit und protestantischer Liederdichter: Ernst Moritz Arndt, der vor 150 Jahren verstarb
Der vor 150 Jahren am 29. Januar 1860 verstorbene Freiheitsdichter Ernst Moritz Arndt hat neben seinen Oden für ein freiheitliches Deutschland auch das protestantische Liedgut entscheidend bereichert. Arndt wurde 91 Jahre alt und ist 1769 von der damals noch schwedischen Ostsee-Insel Rügen gebürtig. Er studierte Geschichte, Sprachen, Evangelische Theologie und Völkerkunde in Greifswald und Jena und habilitierte sich 1800 als Dozent für Geschichte in Greifswald.
Arndt schrieb den mehrbändigen „Geist der Zeit“ mit Anklagen gegen Leibeigenschaft und gegen politische Fremdherrschaft. Napoleons Unterwerfung Europas war ihm ein Dorn im Auge. Er floh nach Schweden, kehrte aber 1809 illegal nach Berlin zurück, wo er mit Gneisenau, Jahn und Schleiermacher zusammentraf, dessen Schwester er heiratete. Mit dem Freiherrn vom Stein bereitete er von St. Petersburg aus dichterisch und diplomatisch die Befreiung Deutschlands von Napoleon vor („Der Rhein: Deutschlands Strom, nicht Deutschlands Grenze“).
Vom König rehabilitiert
1818 wurde Arndt in Bonn an der Friedrich-Wilhelm-Universität preußischer Professor. Wegen republikanisch-„demagogischer“ Umtriebe wurde ihm in der Zeit der Restauration 1820 die Lehrbefugnis entzogen. König Friedrich Wilhelm IV. aber rehabilitierte Arndt 1840 wieder. Er wurde 1841 Rektor und 1854 emeritiert. 1848/49 war der Gelehrte Abgeordneter in der Frankfurter Nationalversammlung. In seinem Ruhestand schrieb er an einem Katechismus und dichtete Kirchenlieder.
Dem politisch-historischen Schaffen Arndts haftet seine deutsch-nationalstaatliche Gesinnung mit erklärter Gegnerschaft gegen Frankreich und England an. Auf religiös-geistlichem Gebiet war Arndt nicht frei von antijüdischen Ressentiments.
Für die Freiheitskriege hatte Arndt flammende Aufrufe verfasst und sich auch in der Folge vehement für freiheitliche Bestrebungen eingesetzt, die dann auch zu seinem Bonner Lehrverbot führten.
In Arndts bekanntem Kirchenlied „Ich weiß, woran ich glaube“ finden sich als fünfter und letzter Vers jene Zeilen, die recht gut zur Jahreslosung 2010 passen mit ihrem Aufruf, nicht zu erschrecken. Dieser Vers lautet:
"So weiß ich, was ich glaube,
ich weiß, was fest besteht
und in dem Erdenstaube
nicht mit als Staub verweht;
ich weiß, was in dem Grauen
des Todes ewig bleibt
und selbst auf Erdenauen
schon Himmelsblumen treibt."
Quelle: Informationsbrief Nr. 63/1-2010 des Evangelischen Seniorenwerks (ESW)
Bild: gemeinfrei
Autor: Prof. Kurt Witterstätter
Leserbrief zu diesem Beitrag
- Von charly am 06.02.2010, 8:03 Uhr.
- Hatte schon auf HeHe geantwortet - Beitrag ist aber nicht erschienen. Deswegen noch einmal. Erstmal sehr gut, weil seelsorgerlich richtig. Auch meine Biografie hat Schatten. Es geht mir auch nicht um persönliche Verurteilung. Aber wir haben nun mal eine Debatte um Arndt im öffentlichen Raum (Umbenennung der Uni Greifswald). Ein Beitrag eines evangelischen Professors, den er öffentlich in einem Newsletter postet hat die Pflicht, einer Öffentlichkeit den differenzierten Standpunkt von Christen und oder der Kirche zur historischen Person Arndt deutlich zu machen.
- Von Franzi am 04.02.2010, 10:25 Uhr.
- Liebe Dorothea,
das Lied findest Du im Evang. Gesangbuch unter Nr. 357, schaue auch einmal unter "Gesangbuch online" im Internet nach! - Von Dorothea am 03.02.2010, 13:16 Uhr.
- Interessanter Beitrag. Wo findet man den gesamten Text des Liedes. Kann man es irgendwo hören? Kenne es nicht.
- Von HeHe am 03.02.2010, 10:46 Uhr.
- Es wird so mit ihm gewesen sein, wie mit jedem Menschen. Licht und Schatten, eine gute Seite und eine schlechte Seite. Menschen sind immer fehlbar. Verdienste anerkennen, Versäumnisse nicht unter den Teppich kehren. Das hilf weiter.
- Von charly am 01.02.2010, 8:14 Uhr.
- Draugs, was Du schreibst ist für eine Auseinandersetzung mit anderen nicht brauchbar. Es ist Deine Meinung, die Du glühend vorträgst. Nun haben wir aber eine öffentliche Diskussion über Arndt. Wie spricht denn nun ein Christ konkret zu den Argumenten der Arndt Gegner in der Öffentlichkeit? So dass Menschen, die nicht so denken wie Du in Deinem Beitrag eine Entscheidung treffen können zwischen pro und contra. Weißt Du eigentlich, was Kulturprotestantismus war? Das ging bis zum Koppelschloss der Soldaten mit Gott mit uns drauf im 1. Weltkrieg. Hier ist ein Link auf den Wikipedia Artikel Arndt - lies das mal http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Moritz_Arndt
- Von Draugs am 30.01.2010, 11:30 Uhr.
- Ernst Moritz Arndt....! Ein Mann der mir sehr gefällt...Neben Matthias Claudius...und anderen..! Ernst Moritz Arndt ein Freiheitskämpfer..,ein aktiver..mit Überzeugungen..Auf dem Fundament der Ordnung Gottes..! Was kann daran verkehrt sein..??
Wenn das Motiv..nach Ursache und Wirkung...sauber und ehrlich ist...! War es das etwa nicht..??
Gegnerschaft gegen Frankreich und England...?? Wirklich...? Oder aus der Freiheitsliebe heraus.., Gegnerschaft gegen Kräfte die die Freiheit anderer " beschränken " wollen..?? Was zu der Zeit von Frankreich und England ausging..Wäre es Schweden gewesen..,würde man heute schreiben..: " seine erklärte Gegnerschaft gegen Schweden " !
Nein..seine erklärte Gegnerschaft gegen Freiheitsbeschränkung..war die Ursache..Ein heres und edles Motiv..! Wenn sein Kampf nun auch noch in Übereinstimmung mit Gottes Ordnung steht..was gibt es zu bemängeln...! Von Männern dieser edlen Gesinnung brauchen wir Heerscharen..! Sein Fühlen und Denken..-das.., was also sein Handeln bestimmte..-läßt sich in seinen Liedern nachlesen..! Ich kann nur edle Gefühle erkennen..!
Edle Gefühle..edles Handeln..so einfach ist das...! Eben Ursache und Wirkung...!!
Antijüdische Ressentiments...!! Ein Thema..das im heutigen Deutschland (dem NachHitler Deutschland) offensichtlich immer mit Befangenheit behandelt wird. Verständlich..nach den Greueltaten des Hitlerregimes..Dadurch..leider..in vielen Dingen nicht objektiv...Beurteilungen und Definitionen..aus deutscher Quelle..über Semitismus und Antisemitismus sind nicht zu gebrauchen..! Es muß auch hier erlaubt sein.., objektiv zu bleiben..!
Das jüdische Volk ist das auserwählte Volk unseres Schöpfers..! Ihnen hat er einen Bund..Dort gibt es Rechte und Pflichten.! Und.....dort gibt es..na was wohl..auch Ankündigungen über Maßnahmen bei Verletzung der Pflichten des Bundes. Die sind bekannt..Sie stehen in der Bibel..! Ich kann keine Plichtverletzung auf seiten Gottes erkennen..Auf seiten des jüdischen Volkes sehr wohl..! E muß erlaubt sein..das zu sagen..! Ohne die Bezichtigung es seien antisemitische Äußerungen..! Auch von einem Deutschen..!
Die Pflichtverletzungen des jüdischen Volkes gegen den Bund mit Gott..,sind eine Angelegenheit zwischen Gott und dem jüdischen Volk..! Wir dürfen davon ausgehen..daß das jüdische Volk das sehr wohl weiß..es kann ja lesen..! Nur nicht gehorchen..! Wie sagt Gott..: " Ihr seid ein widerspenstiges Volk..Ihr habt die Folgen eures Handelns selbst zu tragen..! Ich werde euch in alle Winde zerstreuen..! Erst wenn ihr zur Besinnung gekommen seid hole ich euch zurück..!"
Die Frage ist also..: Ist das jüdische Volk schon zur BESINNUNG GEKOMMEN..? Dann wird es wieder so sein wie Gott es Ihnen verheißen hat..!
So hat es auch Ernst Moritz Arndt empfunden..! Im 18ten und 19ten Jahrhundert . Genauso richtig wie damals und vorher..,ist es auch noch heute..!Amen - Von charly am 29.01.2010, 8:28 Uhr.
- In Anbetracht der aktuellen Diskussion finde ich den Artikel zu öberflächlich. Er nimmt auch nicht Stellung zu der Diskussion um die Namensgebung der Universität. Er ist tendenziell und will bewahren. Sich - so oder so mutig äussern sieht anders aus. Was heißt denn "Dem politisch-historischen Schaffen Arndts haftet seine deutsch-nationalstaatliche Gesinnung mit erklärter Gegnerschaft gegen Frankreich und England an. Auf religiös-geistlichem Gebiet war Arndt nicht frei von antijüdischen Ressentiments". Irgendwie riecht mir das nach unkritischem Umgang mit der schlimmen Zeit des "Kulturprotestantismus".




