Vergiss nicht, was Gott dir Gutes getan hat
Auch das kann Teil unserer Lebenserinnerungen sein: Nachsinnen über die erfahrene Güte Gottes.
Psalm 103,2: Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.
Auch das kann Teil unserer Lebenserinnerungen sein: Nachsinnen über die erfahrene Güte Gottes.
Vergesslichkeit, eine häufige Erfahrung im Älterwerden
„Ich will daran denken“, so nehmen wir es uns vor. Und doch überdecken und verdrängen oft viele andere Gedanken und Erlebnisse das, was uns im Gedächtnis bleiben sollte.
Ein gutes Gedächtnis und wache Sinne, welch eine Gnade im Alter! Vielen Senioren sind diese Gaben geschenkt. Und wem die Konzentration zum Erinnern nicht mehr erhalten ist, den schmerzt zumeist seine Vergesslichkeit.
Erinnern ist ein Vergegenwärtigen von Erlebtem
Das Erinnern vergegenwärtigt Geschehenes. Es ist nicht abgetan. Es behält seinen Wert.
Seinen Wert? Wenn ich besetzt bin von bitteren und unversöhnten Gedanken, fördert das nicht meine Lebensqualität. Es belastet. Es macht unfrei.
Gegen das Vergessen schützt nur die Liebe
Anders ist es, wenn ich, wie der Beter von Psalm 103 über das nachdenke, was mir von Gott her Gutes zugeflossen ist. Und das ist nicht nur eine Sache meines Verstandes. Mit meinem ganzen Sein, meinem Inneren, meinem Herzen ist das Erinnern nötig und möglich. Bonhoeffer sagt: „Gegen das Vergessen schützt nur die Liebe“.
Dagegen fördert das Vergessen nicht die Liebe und das Gotteslob sondern das Eigenlob. Aus der Erinnerung und der Wiederholung lebt mein Vertrauen zu Gott. Dieses Erinnern stärkt die Beziehung zwischen mir und Gott.
Erlebnisse mit Gott ermöglichen Vertrauen
Solch ein Nachsinnen führt mich zurück zu den Erfahrungen der Treue und Güte Gottes: Seine tägliche Fürsorge bleibt mir nicht selbstverständlich. Sie macht mich dankbar. Biblische Worte als Tröstungen in Zeiten der Belastung – zum Beispiel nach dem Tod meines Mannes – gaben mir Halt.
In der Verunsicherung durch eine bedrohlichen Diagnose hörte ich in der Rundfunkandacht die Gotteszusage: „Ich bin da!“. Medizinisch hatte sich nichts geändert, aber eine tiefe innere Ruhe wurde mir geschenkt.
Im Bemühen, für Menschen in Not da zu sein, erhielt ich Unterstützung und kreative Ideen. Bei Aufgaben, die ich mir kaum zutraute, erfuhr ich Beistand und Inspiration. Eine Blüte im Sonnenlicht erinnert mich an die Schöpferkraft Gottes. Und in der Kirchgemeinde erlebe ich, wie vielfältig Gott Gaben austeilt und uns dann zusammen vereint, um miteinander Glauben zu lernen und zu vertiefen.
Es lohnt sich, sich an Gottes Güte zu erinnern
Ich könnte viele Einzelheiten benennen, wie Gott in seiner Güte sich zu mir stellte, mir half und mir Erfahrungen schenkte, die mich getrost machten und mir Vertrauensperspektiven aufzeigten. Erfahrene Güte Gottes, die will ich nicht vergessen. Ich möchte mich einüben, sie im Gedächtnis zu bewahren und mit Dank Gott gegenüber immer wieder zu vergegenwärtigen.
Sinnbilder helfen, das größte Geschenk Gottes, die Versöhnung, zu vergegenwärtigen
Das größte Geschenk der Güte Gottes erlebe ich in der Versöhnung, die Jesus Christus in seinem Tod und in seiner Auferstehung für mich, für uns erwirkt hat. Dafür gibt es immer wieder Erinnerungszeichen. Zum Beispiel ein am Himmel fliegender Vogel zeigt mir das Zeichen des Kreuzes. Oder ich sehe den Schattenwurf eines Fensterkreuzes. Solche Sinnbilder laden mich ein, zu vergegenwärtigen, wie groß Gottes Liebe zu uns ist.
Gott loben und im Dank sagen – für die Alltagsgaben und die geschenkte Versöhnung
In Psalm 103 folgt nach der Aufforderung, Gott zu loben und seine Güte nicht zu vergessen, nicht primär der Hinweis auf den Dank für die Versorgungsgüter unseres Lebens, sondern auf die Befreiung von der Schuld, von dem, was mich, was uns von Gott trennt.
Das gilt es zu bedenken. Das gilt es vor Gott zu würdigen. Aus dieser Vergegenwärtigung fließt Kraft in unser Leben. Gottes Güte!
Darüber will ich Gott ehren: Lobe den Herrn, meine Seele!
Foto: windchaser, sxc.hu
Autor: Liesel Pohl




