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Ehevorbereitung

Ein bisschen im Ausnahmezustand

Die eigene Hochzeit vorzubereiten, kann ziemlich stressig sein. Was kann ein Paar tun, um diese Zeit heil zu überstehen?

Gudrun und Daniel Just sind seit vierzehn Jahren verheiratet. Nicht nur aus eigener Erfahrung können sie etwas über Ehe und Ehevorbereitung sagen. Seit 1997 arbeiten sie bei der christlichen Ehe- und Familieninitiative Team.F unter anderem in den Bereichen Ehevorbereitung bzw. junge Ehe. ERF.de hat nachgefragt, welche Tipps sie heiratswilligen Paaren für die organisationsreiche Zeit vor der Hochzeit geben.

ERF.de: Vielen Paare empfinden es als stressig, eine Hochzeit vorzubereiten. Gleich einmal vorneweg gefragt: Hat diese anstrengende Zeit auch ihre guten Seiten?

Gudrun Just: Ich finde es total schön, sich gemeinsam solche Dinge zu überlegen und zu gestalten. Das fing bei uns bei den Karten an - wir haben die selber ausgedruckt und gestaltet. Oder wir haben die ersten Gespräche geführt mit Eltern und mit Freunden, die uns unterstützt haben. Ich finde das unheimlich Kraft bringend, gemeinsam auf dieses Ziel hinzuarbeiten: Wie gestalten wir die Feier und was ist unsere gemeinsam Schnittmenge, auch bei diesen ganzen Äußerlichkeiten. Auch welches Ziel wählen wir für eine Hochzeitsreise, wie gehen wir mit unseren zur Verfügung stehenden Finanzen um…

Trotzdem kommen die Paarbeziehung und das gegenseitige Kennenlernen in den letzten Monaten vor der Hochzeit oft zu kurz.

Gudrun Just: Was ich mitbekomme, ist, dass manche Paare nicht genug prüfen. Manchmal gibt es im Freundeskreis eine Welle und es heiraten viele. Manche denken dann, sie müssten im selben Tempo nachziehen und nehmen die Entscheidung gar nicht so ernst. Nicht, dass man die Entscheidung fällt, wir gehören nicht zusammen. Darum geht es gar nicht, sondern dass man einfach auch den Dingen ins Auge sieht, die jeder an Reisegepäck mitbringt von früher. Dass man sich das bewusst macht und da ein bisschen genauer hinschaut, damit man weiß, was einen erwartet. Wenn man das vorher in den Blick genommen hat, dann kann man für die letzte Zeit vor der Hochzeit wirklich sagen: Jetzt ist die Organisation dran.

Daniel Just: Was wir selber erlebt haben und auch anderen empfehlen, ist, dass man in der Zeit auch weiter an seiner Beziehung arbeitet, dass man gemeinsam Bücher liest oder auf ein Seminar fährt - dass man nicht nur auf die Hochzeitsvorbereitungen fixiert ist. Das ist auf jeden Fall wichtig. Aber es wäre unrealistisch zu sagen, wenn man in der Hochzeitsvorbereitung ist, ist der Fokus nicht darauf gerichtet. Das ist einfach normal und es macht ja auch Spaß.

Gesucht: Überlebensstrategie

Kann man dieses Arbeiten an der Beziehung nicht auf die Zeit nach der Hochzeit verschieben?

Daniel Just: Das kann man gut machen unter der Voraussetzung, dass ein Paar nicht die Einstellung hat: Wenn wir heiraten, ist alles erledigt und dann müssen wir nichts mehr machen. Wenn der Blick dafür da ist, dass man ganz bewusst sagt: Nach der Ehe wollen wir weiter daran arbeiten, ist das aus meiner Sicht die beste Voraussetzung, damit die Beziehung dann auch gelingen kann.

Gudrun Just: Wichtig ist, eine Strategie zu haben, wie man mit Problemen umgeht.

Wie könnte eine solche Strategie aussehen?

Gudrun Just: Wir hatten ein Paar, das uns vor der Ehe begleitet hat. Wir wussten, wenn wir Konflikte haben, die wir nicht alleine lösen können, können wir uns jederzeit an sie wenden. Wir haben gesagt: Wenn wir wirklich das Gefühl haben, es geht gar nicht mehr weiter und wir trennen uns - wir werden nicht auseinander gehen, bevor wir nicht mit diesem Paar gesprochen haben oder bevor wir nicht einen Berater aufgesucht haben, der uns weiterhilft. Wir gehen nicht einfach so auseinander - das haben wir uns zum Beispiel versprochen.

Gibt es Situationen, in denen man sich statt um die Organisation wieder mehr um die Beziehung kümmern sollte?

Gudrun Just: Wenn ein Paar merkt: Wir können die Konfliktpunkte gar nicht genau ansprechen, wir planen lieber irgendwelche Details für die Hochzeit - das fände ich einen Punkt, wo man die Energie besser in den Konflikt steckt. Aber ich würde das generell auch nicht verurteilen. Es ist eine einmalige Phase im Leben, wenn man gemeinsam so einen Tag plant. Ich finde das legitim, wenn man da viel Zeit und Gedanken reinsteckt.

Was tun, wenn es dann wirklich einmal zu Streit kommt, sei es über die Frage, wie teuer die Hochzeitseinladungen sein dürfen oder das Ziel für die Flitterwochen?

Gudrun Just: Mein erster Tipp wäre, Ruhe zu bewahren.

Daniel Just: Bei vielen ist es so, dass sie dann denken: Es gibt Streit, also passen wir nicht zusammen. Der zweite Tipp ist, zu verstehen, dass es normal ist. Ich glaube, das ist sehr beruhigend zu wissen. Und dann daraus zu lernen, gemeinsam zu einer Lösung zu kommen. Ich versuche Paaren an der Stelle zu erklären, dass das die Grundlage ist, die sie brauchen, um später miteinander klar zu kommen.

Gudrun Just: Ich finde es wichtig, dass man nicht auf die persönliche Ebene geht. Das man nicht sagt: Wie, du willst so teure Karten kaufen, wie gehst du denn mit Geld um? Das man das nicht verallgemeinert und als einen Wesenszug sieht. Sondern dass man sachlich bleibt und sagt: Gut, der andere setzt andere Schwerpunkte als ich. Ihm ist vielleicht die Gestaltung der Karte jetzt wichtiger als ein teures Menü und irgendwo anders macht er Abstriche. Ich finde es wichtig, dass man an diesen Punkten nicht schon anfängt, den anderen persönlich zu verurteilen oder zu große Befürchtungen zu haben, wie der andere dann hinterher ist. Ich denke, diese Zeit ist auch immer so ein bisschen Ausnahmezustand. Beide stehen unter Spannung und unter Druck, weil man denkt, das soll jetzt alles toll und perfekt werden. Das sollte man einfach auch berücksichtigen und das nicht zu stark gewichten.

Die Hochzeitsnacht: Nicht perfekt, aber schön

Neben der Feier ist für viele Paare die Hochzeitsnacht ein weiterer Höhepunkt, auf den sie sich freuen. Was sind hier realistische Erwartungen und was nicht?

Gudrun Just: Wir haben im Vorfeld darüber gesprochen, wie und in welchem Rahmen wir die Hochzeitsnacht gestalten wollen. Wir waren uns schnell darüber einig, dass es uns nach so einem anstrengenden Tag zu schade wäre, noch eine Hochzeitsnacht zu feiern. Wir wollten da frei damit umgehen und dafür eine Atmosphäre haben, in der wir nicht k.o. und völlig übermüdet sind und in der wir uns diese Zeit auch besonders gestalten können.

Daniel Just: Man muss sich von den Erwartungen lösen, die andere an einen herantragen und die am nächsten Tag so ein bisschen hämisch fragen: Und wie war’s? Ich finde es wichtig, dass man für sich als Ehepaar einen gemeinsamen Weg hat, wie man diese Nacht verbringen will. Da gehören viele Faktoren rein: Dass man überlegt, wollen wir zärtlich sein oder genießen wir es, nebeneinander zu liegen. Finden wir es einfach klasse, uns auszuziehen… Diese Erwartung, dass in der einen Nacht alles absolut perfekt sein muss, kann man eher vergessen. Ich glaube, da werden viele enttäuscht. Denn auch auf dem Gebiet heißt es, sich kennenzulernen und Erfahrungen zu sammeln.

Können Sie zusammenfassend ein paar Tipps geben, wie ein Paar die Monate vor der Hochzeit ohne allzu blank liegende Nerven überleben kann?

Daniel Just: Einmal, dass man sich als Paar auch schöne Zeiten einplant. Bewusste Zeiten, wo man nicht nur an die Hochzeitsvorbereitung denkt und nicht nur meint, man muss jetzt an seiner Beziehung arbeiten. Sondern einfach Zeiten, die man miteinander genießen kann, wo man wieder zur Entspannung und zur Ruhe kommen kann und auch Kraft tanken kann. Das wäre das eine. Grundsätzlich war für uns auch wichtig, dass man sich nicht nur darauf konzentriert, keinen Sex zu haben, sondern dass man sich darauf konzentriert, einander kennenzulernen und in die Beziehung investiert. Dazu gehört auch, dass man miteinander klärt, wie weit wollen wir im Bereich der Sexualität miteinander gehen und wo ist eine Grenze, die wir einhalten wollen.

Gudrun Just: Das zweite wäre: Wenn es Konflikte um die Äußerlichkeiten gibt, wie die Gestaltung der Hochzeit, würde ich sie nicht zu hoch hängen. Einfach versuchen, sachlich zu bleiben, nicht persönlich zu werden. Die Verwandtschaft und die unterschiedlichen Erwartungen, die sie an die Hochzeit und an die Planung mitbringt, spielt auch noch eine Rolle. Ich finde es wichtig, in allem Respekt vor den Eltern und vor der Herkunftsfamilie, dass man da schon einmal gemeinsam übt, die eigene Ansicht mutig zu vertreten. Das man sagt: Wir beide sind ein Paar, wir sind ein Team und wir vertreten das auch und das ist unsere Hochzeit.

Vielen Dank für das Gespräch!


Gudrun und Daniel Just sind neben ihrer Arbeit in der Ehevorbereitung bzw. jungen Ehe auch in den Bereichen Kleinkinderziehung, Familienhintergrund und Beratung bzw. Seelsorge tätig. Seit 2003 leiten sie verantwortlich die Regionalarbeit von Team.F in Ostwestfalen-Lippe. Das Ehepaar hat vier Kinder zwischen zwei und zehn Jahren.

Team.F - Neues Leben für Familien e.V. - bietet regelmäßig Seminare zur Ehevorbereitung an. Nähere Informationen finden Sie unter TEAM.F

Siehe zum Thema auch: Nach den Flitterwochen geht es erst richtig los (Rezension)

Autor: Die Fragen stellte Hanna Keller


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Leserbrief zu diesem Beitrag

Von HeHe am 12.03.2010, 9:03 Uhr.
Hallo Herr Hanschke,
das ist ein wirklich schöner und guter Gedanke.
Als mein Mann und ich heirateten, war mein ältester Sohn schon erwachsen. Er hat ganz viele Dinge organisiert - ohne dass wir das überhaupt wußten und so war es eine sehr schöne, auch sehr persönliche Feier. Ich bin da immer noch dankbar.
Dodo,
auch für uns ist Gott der dritte im Bunde. Und ich spüre das immer wieder. Natürlich gibt es in einer Beziehung mal STreit, Uneinigkeit. Wir sind auch eine Patchwork-Familie und haben 6 Kinder. Da ist es klar, dass nicht alles glatt geht. Aber - Jesus steht uns bei! Ich bin sehr dankbar, dass Gott mir diesen Mann zur Seite gestellt hat. Eine gute Hilfe war für mich: Das GEbet das uns stark macht. von Stormie Omartian. Spezelle Gebete für Ehefrauen die für ihre Männer beten. Mir - uns, hat das und hilft das immer wieder. Es weitet meinen Blick und tut unserer Ehe sehr gut.
Von Norbert Hanschke am 11.03.2010, 11:12 Uhr.
Am besten ist, wenn einer einer aus der Verwandschaft die Hochzeit mit Organisiert und bei der Hochzeit den ,,den Hut" auf hat. Im Sorbischen gibt es dafür den Braschka (Hochzeitsbitter). Dann klappt die Hochzeit reibungslos und ist stressfrei.
Von dodo am 11.03.2010, 11:01 Uhr.
ich finde es auch super das es so was wie team f gibt besonders in der heutigen zeit der patchwork families und auch immer mehr gleichgeschlechtlichen ehen und anderen nicht bibelgemässen lebensgemeinschaften.auch ich bin zum zweitenmal verheiratet das erstemal hatte ich keine hilfe und auch niemanden mit dem ich reden konnte.das war eine schlimme zeit und ich ging mit zwei kleinen jungs aus der qualerei .das zweite war auf jesus aufgebaut und immer wenn es krachte konnten wir uns beide an gott wenden der der dritte im bunde ist. das war so total anderst.das ist auch etwas ganz besonderers wertvolles gerade in dieser zeit der schlimmen anfechtungen. , das man ja schon unnormal ist wenn man so lange zusammen ist,ist, was ganz besonderes was wir christen auch gerade heute anderen voraus haben und auch weitergeben sollten.drei sind immer stärker als zwei, besonders wenn einer im bunde die zwei anderen genauso liebt.euch allen mut und gottes segen zum "Trauen"mit JESUS dc
Von HeHe am 11.03.2010, 9:02 Uhr.
Sehr wohltuender Artikel in einer zeit, in der die Hochzeitsfeier oft ein Fest der Superlative sein muss.
Immer wieder den Blick auf uns selbstals Paar richten, finde ich sehr gut.
Ich bin zum zweiten Mal verheiratet. Die zweite Eheschließung war für mich - und auch für meinen Mann - eine große Freude. Wir haben mit unseren Kindern und unser engsten Familie und einigen ganz wenigen Freunden eine sehr schöne, kleine Feier gehabt. Die Zeit vorher war für meinen Mann und mich eine gute Vorbereitungszeit. Wir haben gemeinsam ein Haus renoviert, in das wir einziehen wollten. Wir haben uns alle Schritte gemeinsam überlegt - und hatten auch das Glück, den Gottesdienst weitestgehend selbst zu planen.
Allerdings - wir waren nicht mehr jung. Mein Mann war Mitte , ich Anfang 40. Das hat uns sehr geholfen - bis heute.
Ich bin dankbar, dass es Organisationen wie Team F. gibt, die Menschen Hilfestellungen auf ihren Wegen gibt.
Gerade heute - wo eine Beziehung so schnell beendet wird. Ich selbst habe eine Trennung hinter mir. Es war sehr schmerzhaft, sehr furchtbar. Ich bin froh, dass es doch noch einmal einen Anfang für mich gegeben hat.
Scheidung ist immer schlecht, und alle Wege, die eine SCheidung verhindern können sollten gegangen werden. Von Anfang an.