Die Bibel als Bestseller
In Tschechien wurde die Bibel 2009 Bestseller des Jahres. Wie ist es dazu gekommen? ERF.de hat nachgefragt.
Tschechien ist ein marxistisch-atheistisch geprägtes Land. Die Bibel spielte keine große Rolle - bis 2009, in der sie auf einmal Bestseller des Jahres wurde. Ins Leben gerufen hat das tschechische Übersetzungsprojekt „Bibel21“ Alexander Flek. ERF.de sprach mit dem Pastor über Motivation, Herausforderungen und die Bibelbegeisterung der Tschechen.
Erf.de: Herr Flek, was hat Sie dazu bewogen, eine neue Bibelübersetzung zu beginnen?
Alexander Flek: In der Zeit der „Samtenen Revolution“1 vor zwanzig Jahren sind überall in unserem Land junge Menschen Christen geworden. Insbesondere unter den städtischen Studenten. Diese jungen Leute hatten keinen kirchlichen Hintergrund. Sie fanden die bisherige Bibelübersetzung sehr rückständig und altmodisch. Bei mir war das genauso. Die einzigen Übersetzungen, die es zu der Zeit in Tschechien gab, waren die 400-jährige Kralitzer Bibel der Brüdergemeinden und die ökumenische Übersetzung von 1979.
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| Verschiedene Ausgaben der "Bibel21" |
An einem Nachmittag 1991 im Herbst rief ich: „Oh Gott, warum können wir nicht auch eine Bibel besitzen, die den Ursprachen treu ist und trotzdem in einem heutigen Tschechisch geschrieben ist? Warum berufst du keinen, das zu tun?“ Und da war es mir, als ob er zu mir sagte: „Warum denkst du, hast du diese Sehnsucht in deinem Herzen?“ Natürlich hat mir die Antwort nicht gefallen. Ich habe versucht den Gedanken abzuweisen, dass Gott wirklich mich zu diesem Dienst berufen haben könnte. Aber ich konnte es nicht. Ich verstand, dass Gott wollte, dass ich eine solche Übersetzung begann: Lebendig und zeitgemäß. In einem gewöhnlich-alltäglichen Tschechisch. Aber dennoch zielsicher, genau und treu zum Original.
Was waren die größten Herausforderungen, um diese Idee zu verwirklichen?
Es war ziemlich einfach zu beginnen. Denn ich fühlte, dass ich noch am selben Tag genau dort starten sollte, wo ich war. Natürlich folgten eine ganze Reihe von „Zufällen“. Das beinhaltete zum Beispiel die Versorgung mit Bibelübersetzungen unterschiedlicher Sprachen, mit Studienmaterial, Software und Hardware. Auch mit begabten, hingegebenen Menschen. Zusätzlich bekam ich auch ein Stipendium, um meinen Master in biblischen Studien zu beenden.
Die schwierigen und schmerzlichen Erfahrungen waren Ereignisse, bei denen andere Christen nicht zu verstehen schienen, was wir taten und warum wir es taten. Und dass wir es wagten, so etwas überhaupt in Angriff zu nehmen. Ich möchte damit aber niemanden beschuldigen, denn so eine Reaktion ist typisch menschlich. Alles Neue muss sich erst einmal beweisen. In dem ganzen Prozess wurde ich aber auch sehr stark von vielen Menschen ermutigt.
Die Bibel als Grundbedürfnis
Wie ist es möglich, dass die neue Bibelübersetzung in der tschechischen
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| Nationaler Bibellesetag in der tschechischen Stadt Mlada Boleslav |
Bevölkerung eine solche Reaktion und solches Interesse hervorgerufen hat?
Ich habe keine Ahnung. Aber ich vermute, dass einige Faktoren dabei eine Rolle gespielt haben: Zum Einen ist die Vorstellung, dass die Bibel in einer zeitgemäßen verständlichen Form möglich ist, so fremd, dass sie an sich schon eine Betroffenheit ausgelöst hat – zum Guten oder Schlechten. Zum anderen, entspringt unsere Übersetzung einem Grundbedürfnis unserer Generation. Und weil wir mit der „Bibel21“ eine konfessionslose Übersetzung anbieten – denn sie ist nicht von religiösen Organisationen in Auftrag gegeben worden - sind die Tschechen der Meinung, dass sie keine versteckten Botschaften in sich trägt. Dieser Sichtweise verdanken wir, dass sich die negative Einstellung der Tschechen gegenüber der Kirche nicht auch auf die neue Bibelübersetzung übertragen hat.
Wir haben auch mit Unterstützern aus unterschiedlichen kirchlichen Hintergründen gesprochen, und mit den säkularen Medien. Wir waren überrascht, wie viel Achtung sie den biblischen Werten entgegen brachten. Und auch von ihrer Sehnsucht, sie in der Gesellschaft neu bekannt zu machen.
Außerdem haben wir uns bemüht, diese Übersetzung in ansprechender Weise herauszubringen. Der Bucheinband und das Schriftbild sollten Gottes Natur und seine Botschaft reflektieren. Darum wollten wir, dass sie warm, liebevoll, freundlich gestaltet sind - aber dennoch nicht billig oder kitschig. Dabei haben wir aber den Preis so niedrig wie möglich gehalten: Die billigste Ausgabe kostet 250 tschechische Kronen (circa neun Euro, Anm. d. Red.).
Die Bibel kommt an
Haben Sie damit gerechnet, dass diese Bibelübersetzung ein solcher Erfolg wird?
Die „Bibel21“ ist Ostern 2009 herausgekommen und in nur neun Monaten wurde sie offizieller Bestseller des Jahres. Nur an dem ersten Wochenende wurden schon 12.000 Bibeln verkauft. Wer hätte so einen Ansturm erwarten können? Wie der Apostel Paulus schreibt, hat Gott „über alles hinaus, was wir bitten oder verstehen“ gehandelt. (Epheser 3, 20)
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| Übersetzer Alexander Flek mit der neuen tschechischen Bibelausgabe |
Was hat sich in der Gesellschaft oder im Leben Einzelner durch die neue Bibelübersetzung verändert?
Ich sehe drei verschiedene Auswirkungen. Als Erstes sind die Christen, besonders die Jüngeren, begeistert worden, die Bibel auf ganz neue Weise wahrzunehmen. Oft lesen sie ein ganzes biblisches Buch auf einmal. Sie sagen uns, dass sie dabei sehr tief angesprochen werden. Dann gibt es andere, die sich nie getraut hätten, jemals die Bibel zu lesen. Sie fühlten sich nicht fähig, das „biblische Tschechisch“ zu verstehen. Wenn wir hören, dass nun solche Menschen die Bibel lesen, gibt uns das die größte Erfüllung. Es gibt ungefähr 25.000-40.000 Evangelikale in Tschechien. Aber in neun Monaten haben wir von der „Bibel21“ etwa 75.000 Ausgaben verkauft. Es müssen also auch Außenstehende dabei sein.
Nicht zuletzt wurde die Bibel in Tschechien 2009 wieder in der Öffentlichkeit wahrgenommen. An dem Tag, als die Bibel herausgegeben wurde, ist in den Nachrichten gleich mehrmals davon berichtet worden. Die nationale und lokale Presse hat hunderte von Artikel geschrieben, die sich mit der neuen Bibelausgabe auseinandersetzten. Das ist völlig neu. Jetzt ist es auch möglich, öffentlich über die Bibel zu diskutieren oder sogar staatliche Unterstützung für einige unserer Projekte zu bekommen. Die Tschechen merken, dass sie trotz hoher Bildung nahezu nichts über die grundlegende Ursprünge ihrer westlichen Kultur wissen - dank der atheistisch-kommunistischen Herrschaft - und wollen sich nun in diesem Bereich fortbilden.
Rückblick und Ausblick
Was haben Sie durch die ganzen Ereignisse insbesondere von Gott gelernt?
Dass er ein treuer Gott ist! Das, was er beginnt, lässt er durch seine Hilfe auch zum Abschluss kommen. Auch wenn Menschen sich von einem abwenden – Gott ist immer noch mit Dir und Du mit ihm. Das ist das Wichtigste.
Wir haben auch gelernt: „Wenn es eine Vision gibt, dann gibt es auch eine Versorgung“: Das ganze Projekt wurde nur durch eine kleine Gruppe finanziert. Die meisten gaben im Durchschnitt 5-10 Euro im Monat. Wir hatten auch nie ein Darlehen einer Bank oder großzügige Sponsoren. Trotzdem waren wir in der Lage, eine 15jährige Übersetzungsarbeit zu finanzieren. Außerdem die Druckkosten. Frag mich nicht, wie das möglich war!
Haben Sie neue Projektideen?
Unser Motto ist: „Die Bibel zu den Tschechen, und die Tschechen zu der Bibel“. Jetzt, da die Bibel herausgegeben ist, denken wir darüber nach, wie wir sie unseren Mitmenschen näher bringen können. Wir sind gerade dabei, auch dieses Ostern landesweite Bibellesungen vorzubereiten. Wir hoffen, dafür noch mehr offene Türen zu sehen als letztes Jahr. Vielleicht wird das bei uns eine neue Ostertradition - oder sogar in anderen Ländern.
Im Allgemeinen merken wir, dass es nötig ist, die Grundlagen der biblischen Literatur zu vermitteln. Möglichst an ein breites säkulares Umfeld. Ob das in Form von Vorträgen, Büchern, PC Spielen oder anderen Möglichkeiten passiert, ist dabei zweitrangig. Als erstes planen wir dazu einführende Literatur. Außerdem gibt es nahezu keine Bibelkommentare auf Tschechisch. Deshalb suchen wir nach Wegen, in diesem Bereich etwas zu ändern. Und wir werden definitiv weiterhin die Bibel 21 herausgeben, in unterschiedlichen Ausführungen. Wir wollen die Übersetzung noch verbessern und verfeinern. Und sie stets an die Veränderungen des Alltagstschechisch angleichen, damit die Bibel seinem Namen treu bleibt: „Bibel21“: „Bibel-Übersetzung des 21. Jahrhunderts“.
Vielen Dank für das Gespräch!
1 „Samtene Revolution (tschechisch sametová revoluce, slowakisch nežná revolúcia) bezeichnet den politischen Systemwechsel der Tschechoslowakei von der sozialistischen Diktatur zur Demokratie im November und Dezember 1989. Der Begriff wurde gewählt, weil der Wechsel, der sich innerhalb weniger Wochen vollzog, weitgehend gewaltfrei erfolgte.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Samtene_Revolution; 16.03.2010, 13:18 Uhr)
(Fotos: Alexander Flek)
Autor: Die Fragen stellte Sabine Petri
Leserbrief zu diesem Beitrag
- Von Renate Feichter am 28.03.2010, 15:13 Uhr.
- Dear Alexander, how glad I am to hear the news about the Czech people receiving God's word in your new translation! I remember very lively one sunny day in the summer of 2002 ... A bunch of people in front of the Ministry of Foreign Affairs in Prague, praying for the Czech people. And myself as a German asking forgiveness on behalf of my own people ... May God continue to bless the Czech people! Warm greetings, Renate Feichter
- Von Rosemarie Bayer am 19.03.2010, 7:39 Uhr.
- Lieber Herr Flek
super diese Arbeit mit der neu zugänglichen Bibelübersetzung.Ich wünsche Ihnen für diese Arbeit weiterhin Gottes reichen Segen.Ich wünsche,daß Erweckung geschieht.
Be blessed Rosemarie Bayer






