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Rücktritt von allen Ämtern

Kommentar: Was Käßmann ehrt

Dr. Margot Käßmann ist von all ihren Ämtern zurück getreten. Eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse und ein Kommentar von Andreas Odrich.

Die EKD Ratsvorsitzende und Bischöfin der Niedersächsischen Landeskirche Margot Käßmann ist von all ihren Ämtern zurück getreten. Das gab sie am Mittwoch Nachmittag in Hannover vor der Presse bekannt. Auslöser für den Rücktritt: Käßmann hat am Wochende mit über 1,5 Promille eine rote Ampel missachtet.

Zu ihrem Rücktritt sagte Käßmann gegenüber der Presse: Sie könne nicht mehr mit der nötigen Autorität in ethischen Fragen sprechen. Das Amt der Bischöfin und Ratsvorsitzenden sei beschädigt.

Der Vorsitzende der Evangelischen Allianz Jürgen Werth drückte gegenüber dem ERF sein Bedauern über den Vorfall aus. Die Evangelische Allianz habe sich seinerzeit über die Wahl Käßmanns zur

Rücktritt von allen Ämtern: Margot Käßmann - hier auf der EKD-Synode, wo sie im letzten Jahr mit überwältigender Mehrheit zur Ratsvorsitzenden gewählt wurde (Foto: Heiko Brattig, ERF Medien)

EKD Ratsvorsitzenden sehr gefreut. Dennoch sei der Rücktritt unvermeidbar und folgerichtig.

Bis zur EKD-Synode im Herbst übernimmt der bisherige Stellvertreter Käßmanns, der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, den Ratsvorsitz.

Im Folgenden der Kommentar von Andreas Odrich, Chefredakteur ERF Radio:

Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein, möchte man den Journalistenkollegen zurufen, die die Geschichte Anfang der Woche genüsslich hochgekocht haben.

Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Die Ratsvorsitzende der EKD hat eine Straftat begangen. Betrunken eine rote Ampel überfahren, das ist aus gutem Grund vor dem Gesetz kein Kavaliersdelikt.

"Ein Bischof soll untadelig sein"

„Ein Bischof soll untadelig sein, nüchtern und maßvoll“, so schreibt es der Apostel Paulus in seinem ersten Brief an Timoteus. Und damit ist klar: Ein Bischof, eine Bischöfin, ein geistlicher Leiter, ist eben nicht Otto-Normal-Christ.

Der Rat der EKD hatte Margot Käßmann am Dienstagabend sein volles Vertrauen ausgesprochen. Es ist ehrenhaft, dass das höchste Gremium der Evangelischen Kirche nicht pharisäerhaft über die Bischöfin hergefallen ist.

Doch Käßmann sieht die Sache offenbar gravierender. Sie selbst sei am meisten betroffen über ihren schlimmen Fehler, hatte sie schon Anfang der Woche mitgeteilt.

Was Käßmann ehrt

Was Käßmann ehrt: Sie hat ihr Versagen eingestanden. Sie hat ihren eigenen Fehler einen Fehler genannt. Sie hat nie versucht, die Sache schön zu reden. Sie hat nicht versucht, ihr Handeln auf irgendwelche ominösen Umstände abzuwälzen. Und das macht sie bei aller Tragik der Ereignisse wiederum zum Vorbild – auch unter Christen.
 

Diesen Beitrag als MP3, einen Kommentar von ERF Direktor Jürgen Werth und weitere Infos auf den Seiten von ERF aktuell.

"Ich habe einen schweren Fehler gemacht": Käßmanns Erklärung im Wortlaut

(Foto: Monika Larenz / lvh)

Autor: Andreas Odrich


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Leserbrief zu diesem Beitrag

Von Albert am 05.03.2010, 20:30 Uhr.
hab inzwischen vom Ausmaß des Gegenwindes gegen sie mitbekommen - schon heftig; eben halt Politik.
Alkoholproblem? Wirklich? Das wäre bitter!
Was ich mich noch frage: wo sind ihre "Nächsten", ihre Mitchristen geblieben? Ich hoffe, das sie so etwas hat, wie ich meinen Hauskreis... vielleicht ein "Gebetsanliegen"?
Von Norbert Denzel am 02.03.2010, 18:49 Uhr.
Also nach langem hin und her finde ich die Entscheidung von Frau Käßmann außergewöhnlich. Mein Respekt. Macht nicht jeder von uns manchmal gravierende Fehler? Dabei sehe ich mich nicht veranlasst, deshalb meinen Job hinzuschmeißen!
Vielmehr denke ich, dass das Szenario von "Außen" gesteuert und toleriert wird. Nämlich von der Männergarde der Führungspersönlichkeiten. Sicherlich hätten sich Männer in derselben Situation gegenseitig gestützt und das eine oder andere Mentekel vertuscht oder sie hätten ihre Beziehungen spielen lassen. Hier wird mit verdeckten Karten gezockt. Eine Frau als Führungsposition ist auf wenige Ausnahmen beschränkt, von den Deutschen Managern einfach unerwünscht. Das Volk wünscht Modernität und gehandelt wird wie im Mittelalter. Die Schlußfolgerung müsste doch heißen, das der Erzbischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Robert Zollitsch eigentlich "mindestens" zurücktreten müsste. Denn Kindesmissbrauch in seiner katholischen Kirche ist weit schwerwiegender wie alkoholisiert eine rote Ampel zu überfahren. Da fällt mir als Christ einfach nichts mehr dazu ein. Wo ist denn da das Maß aller Dinge? Wer spielt sich denn hier zum Richter auf? Wo bleibt die Gleichberechtigung von Mann und Frau im Handeln?
Von Frey am 02.03.2010, 9:47 Uhr.
Eine tolle Frau , die für das was Sie geleistet hat in Ihrem Leben , von den Medien zu unrecht verdammt wird
Von Andreas Barkow am 01.03.2010, 1:50 Uhr.
Ich möchte dem Leserbrief von Esther vom 26.Februar zustimmen und unterstützen.Seit 16 Jahren arbeite ich in der Psychiatrie als Krankenpfleger und somit auch mit Suchtkranken.Dazu bin ich auch Mitglied des Blauen Kreuzes und arbeite dort aktiv mit.
Wenn Frau Käßmann 1,54 Promille hatte nach der Autofahrt, ist dieses kein Kavaliersdelikt.
In der Berliner Zeitung vom 25.Februar wurde der Psychologe Jürgen Schattschneider gefragt,wie ein Mensch mit soviel Promille noch sein Auto findet,es in Gang setzt und dann noch unfallfrei eine längere Strecke ohne Unfall fahren kann.Ergebnis:Dann muß man von einer Gewöhnung an Alkohol ausgehen."Wer also einen Wert von weit über einem Promille erreichen kann,der muß seinen Körper über einen längeren Zeitraum,womöglich über Jahre an größere Mengen Alkohol gewöhnt haben."
Fazit:Vielleicht hat Frau Käßmann ein Alkoholproblem,was dann dringend behandelt werden müßte.
Von Hans am 28.02.2010, 21:50 Uhr.
ich sah Frau Käßmann nicht gern in diesem Amt, auch wenn sie manche unbequeme Themen ganz in meinem Sinn aufgriff. Ihr Rücktritt gewinnt mir allergrößten Respekt ab. Auch daß sie in keiner Weise ihr Handeln zu beschönigen sucht. Sie schätzt auch die Auswirkungen des Geschehens auf ihr Amt richtig ein. Jetzt ist angesagt, diese Frau an dem Platz, den sie sich ausgewählt hat, aufzunehmen und dieses Thema ruhen zu lassen. 1.Joh.1,9 Punkt!
Von Albert am 28.02.2010, 17:17 Uhr.
mir ist das alles zu einfach, zu glatt gegangen, der Bruch zu abrupt.
Nun gut Verschwörungstheorien müssen auch nicht sein - gibt es wo anders schon zu viele.
Ich hätte gern persönlich mit ihr gesprochen, bevor ich mich ernsthaft äußere - vielleicht ja mal...
Aber ja - sie war KirchenPOLITIKERIN und also den entsprechenden Spielregeln unterworfen; deren moralischen Rahmen sie positiv gefolgt ist.
Aber als Christ? Ist sie doch - denke ich mal.
Was wäre, wenn sie SICHTBAR vorleben könnte, was Buße Vergebung und Umkehr bedeuten, als (Glaubens-)Zeugnis.
Wie sollen wir mit Sünde/Verfehlungen umgehen? Klappe halten und zurück ins Glied? Oder dazu stehen und die Aufgabe, zu der man berufen ist, erfüllen.
Mir fehlen normale Christen als Vorbilder. Heilige brauch ich nicht!
Ich möchte gerne wieder von ihr hören und dann wissen, wie sie ihren Glauben weiter gelebt hat!
Was bedeutet Hei(lig)ung im Alltag? (Mit-)Einander Zeugnis geben, Wege gehen...
Alles Gute äh Gottes Segen
Von Claus Dieter am 28.02.2010, 13:35 Uhr.
Da solte sich jeder der in Deutschland Verantwordung hat daran messen lassen.
Erlichkeit,Warhaftigkeit,Vorbild.
Ich denk dan häten wir keine Regierung in Deutschland mehr
Von van Reimersdahl, Clemens am 27.02.2010, 12:36 Uhr.
Ich verstehe die Diskussion nicht! Wer Bischof, Bischöfin oder Vorsitzende oder Vorsitzender der EKD ist, muss nach meiner Ansicht sich von den konservativen Christen stark abgrenzen, sonst kann er ein solches Amt nicht bekleiden. Ethisch biblische Richtlinien zählen da eher nicht. Wer das glaubt muss schon naiv sein! Von daher nützt es nichts, wenn man den 1.Timotheusbrief zitiert.
Von Hans-Jürgen Lieber am 26.02.2010, 23:34 Uhr.
Mir tut es leid, daß Frau Käßmann über ihre eigenen hohen moralischen Maßstäbe "gestolpert" ist. Als integre Persönlichkeit habe ich sie geschätzt. Ihr letztes Buch "Zur Geborgenheit finden- Antworten auf Fragen des Lebens" habe ich mit großer innerer Zustimmung gelesen. Wer schreibt heute schon so ehrlich? Und macht sich persönlich angreifbar? Schade, daß sie sich selbst "aus dem Spiel" genommen hat. Eine "Ersatzfrau oder -mann" werden wir schwerlich finden. Die "stromlinienförmigen" Christen gibt es zuhauf. Wo sind die "eckigen", an denen wir uns reiben können? Wie z.B. Petrus und Paulus.
Von erger am 26.02.2010, 16:31 Uhr.
Selbst ein gottloser Mensch würde, nach dem er auf frischer Tat erwischt wurde und öffentlich angeprangert wurde, es hinbekommen, davon zu sprechen, einen großen Fehler begangen zu haben. Was soll dran bei Frau Käsmann, als Geistliche, ehrenhaft und vorbildlich sein?
Von Wolfgang am 26.02.2010, 16:00 Uhr.
Hochachtung vor Fr. Käßmann zu diesem Schritt. Und vielen Dank für den sehr guten Kommentar von Hr. Odrich. Stimme ich voll und ganz mit ein.
Noch ein Satz zu dem Brief von xyz: Was hat das Amt mit ihrer Scheidung zu tun ? In welchem Jahrhundert lebst du denn ?
Fr. Käßmann war hier genauso konsequent und ehrlich, dass eine kaputte Ehe irgendwann nicht mehr zu kitten ist.
Ist es christlicher, den schönen Schein zu wahren ? Nein Danke !
Von Almut Arndt am 26.02.2010, 11:58 Uhr.
dem Kommentar des Herrn Odrich schließe ich mich in vollem Umfang an, Sie sprechen mir aus dem Herzen. Es tut mir persönlich weh, Frau Käßmann nicht mehr in ihrem Amt zu erleben. Dennoch war ihre Entscheidung richtig. Ich bringe ihr meine persönliche Hochachtung entgegen. Frau Käßmann ist eine Frau mit Format und ich glaube und als Christin authentisch! Danke für Ihren Mut Frau Käßmann!!!
Von esther am 26.02.2010, 9:33 Uhr.
Was mir bei allen Berichten und Diskussionen bisher fehlt ist der Augenmerk darauf, dass gerade Menschen die in angespannten Lebensbedingungen/stressigen Berufen stehen der grossen Gefahr ausgesetzt sind durch den Alkohol etwas Entspannung zu suchen und zu finden- wenn Frau Kässmann mit 1,5 Promille noch relativ gut Autofahren konnte zeugt das von Übung/Gewöhnung an Alkohol, das heisst es gehört zu Ihrem Alltag (wie bei wievielen Menschen noch?) dass nach stressigen Stunden ein-zwei-drei Gläser Wein o.ä. endlich das Denkkarussell im Kopf zur Ruhe bringt und die Nerven glättet. Wenn diese Stressbewältigung mal im Körper greift ist es Verdammt schwer als Alternative ein Schaumbad oder Muskelentspannung anzuwenden.
ich denke Frau Kässmann ist zurückgetreten weil sie erkannt hat dass sie ein Problem hat mit Alkohol und ruhigere Lebensumstände braucht um sich diesem Problem zu stellen.
Von Ulrike Seidel am 25.02.2010, 7:13 Uhr.
Da möchte man mal BRAVO rufen, trotz der Unrühmlichkeit der "Tat". Dass eine Frau zu ihrem Fehler steht, ist nicht selbstverständlich, aber immer noch wahrscheinlicher als bei Männern, die sich hinstellen und den von ihnen begangenen Kindesmissbrauch nicht eingestehen oder verharmlosen, auf missliche Umstände allgemeiner Art in der Gesellschaft abwälzen oder wie im Kindergarten die Hände vor die Augen legen uns so tun als wäre nichts gewesen. Das trifft leider gleichermaßen auf Politiker wie Kirchenleute zu und ist wohl nur die in der Öffentlichkeit wahrgenommene Spitze des Eisbergs. Dabei sollte jeder erst mal sich selbst bei der Nase fassen und dann gnädig und barmherzig sein mit den Sünden des Nächsten. Natürlich ist es schade, dass Fr. Käßmann dem Versucher erlegen ist und so nicht mehr lautstark für die Sache des Herrn eintreten kann an exponierter Stelle. Es wäre aber auch nicht gegangen, dass man so weitermacht als wäre nichts geschehen und das Signal für die Gesellschaft und vor allem für die Jugend sollte nicht sein, dass alles o.k. ist und wenn das schon in die Leute in bestimmten Positionen machen, dann könne man ja auch Komasaufen oder betrunken Auto fahren. Das wäre das falsche Zeichen gewesen. Darum, Fr. Käßmann, vielen Dank für ihren Mut und "den reuigen Sünder hat Gott lieb". Der Vater steht mit offenen Armen da. Der Herr segne Sie und begleite Sie in diesem Tal und schenke Ihnen, dass Sie auf Seinem Weg mit IHM wandeln.
Ulrike Seidel, Wendelstein
Von Jonny am 25.02.2010, 0:11 Uhr.
<Ich finde, oben die Stellungnahme von Chefredakteur A. Odrich gut, in dem er die Bibel zitiert: "Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein!"
@xyz: anfangs hatte ich auch erst so gedacht, aber wenn ich dann diesen Vers lese und da gibt es auch noch andere Verse in der Bibel, dann muss ich sagen, ich bin auch nicht ganz fehlerlos /sündlos. Wir alle sind Sünder! Allein durch die Gnade Jesu sind wir gerettet. Nur ER ist ohne Fehler! Vielleicht hätte Sie nach dem sie die Tat gestanden hatte nochmal eine Chance verdient?!
Von Matthias am 24.02.2010, 23:12 Uhr.
Heute früh hatte ich mir noch so gedacht: Frau Käßmann ist eine höchst respektable Person. Und hat nun einen unverzeihlichen Fehler gemacht. Das tut mir sehr, sehr Leid für sie.
Ich hatte mir so gedacht, daß Frau Käßmann zurücktreten sollte als EKD-Ratsvorsitzende und Bischöfin.
Ich hätte sie aber lieber, als Nicht-Christ, weiter an der Spitze gesehen.
Nun, sie hat die Konsequenzen gezogen. Ich ziehe meinen Hut vor ihr !
Bei allem pharisäerhaften Gerede in dieser Gesellschaft wird diese Reaktion von Frau Käßmann auf ihren Fehler leider ziemlich einzigartig bleiben.
Von Andy am 24.02.2010, 23:03 Uhr.
Ich stimme xyz voll zu!
Denn wie oben im Text schon geschriebensteht: "Ein Bischof, eine Bischöfin, ein geistlicher Leiter, ist eben nicht Otto-Normal-Christ."
Von Bernd Schneider am 24.02.2010, 19:04 Uhr.
Ich finde es überaus schade, dass die Bischöfin zurückgetreten ist. Mir ist eine fehlerhafte Bischöfin, die profiliert auftritt, sehr viel lieber, als die vielen selbstgerechten Langweiler, wie der Komentator xyz unten, der auch noch zu feige ist, seinen Namen anzugeben.
Von gunther am 24.02.2010, 18:43 Uhr.
bedauerlich ist ihr rücktritt, aber wir sollten hier nicht richten über sie, sondern es unserem gott überlassen, dass er sie behüte und dass er es ihr ermöglicht, mit viel kraft weiterhin integrierend und nicht spaltend zur verfügung steht, damit das evangelium allen heiden und nichtheiden in nah und fern verkündet werden kann
Von Sr.Angela Krause CT am 24.02.2010, 18:13 Uhr.
Ich habe alle Achtung vor Frau Dr.Käßmann, die zu sich und Ihren Fehlern steht, die auch vor sich selber die Achtung bewahren möchte und nun diesen Schritt auf diese Weise geht. Ich denke, es ist gut so. Trotzdem finde ich es sehr schade, ich empfand sie als eine sehr mutige und kompetente Frau an der Spitze der Kirche, die viele zusammen gebracht hat, auch Akzeptanz in allen Lagern hatte.
Sie wäre weiter gut und wichtig gewesen.
Von xyz am 24.02.2010, 18:09 Uhr.
Der einzig richtige Schritt, den sie machen konnte !
Sie hätte von Anfang dieses Amt nicht übernehmen dürfen als geschiedene Frau.