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Bekennende Kirche

Gott mehr gehorchen

Gerade zwei Jahre nach der NS-Machtübernahme - also vor jetzt 75 Jahren - kam es zu ersten Verhaftungen protestantischer Pfarrer.

An den Ende 2009 wieder wach gewordenen Erinnerungen an die DDR wird deutlich, wie tief ein totalitäres Regime die Gesellschaft durchdringt. Das tat der Nationalsozialismus im Dritten Reich ebenso. Auch damals regte sich von Seiten der Gewerkschaften, der Wissenschaft und der Kirchen Widerstand. Im Bereich evangelischer Christen gehörte in dieser dunklen Zeit die „Bekennende Kirche“ zum besseren Deutschland. Bereits am 16. März 1935, gerade zwei Jahre nach der NS-Machtübernahme - also vor jetzt 75 Jahren - kam es zu ersten Verhaftungen aufrechter protestantischer Pfarrer.

Hitler und die seinen trieben sofort nach ihrer Machtergreifung 1933 die Gleichschaltung aller Lebensbereiche voran. Dazu gehörte auch die Kirche. In der Evangelischen Kirche hatten einige sogar die nationale Ausrichtung begrüßt. Das nahmen die Nationalsozialisten zum Anlass, für diese „Deutschen Christen“ Ludwig Müller als „Reichsbischof“ einzusetzen. Ein solches Amt war der föderal in Landeskirchen gegliederten Evangelischen Kirche bis dahin fremd. Das NS-Führerprinzip sollte damit auch auf die Kirche übertragen werden. Außerdem durften nach einem Arier-Erlass vom September 1933 nur noch „arische“ evangelische Geistliche ihr Amt ausüben. Zum Christentum übergetretene jüdische Pfarrer sollten entfernt werden.

Dagegen regte sich starker innerkirchlicher Widerstand, der in die „Bekennende Kirche“ mündete. Diese Bekennende Kirche war ein sich selbst organisierender Zusammenschluss von evangelischen Geistlichen, die Rassenideologie, Ausgrenzungen und politische wie völkerrechtswidrige Gewalt der Nationalsozialisten als mit dem Christentum unvereinbar ablehnten. Die Bekennende Kirche trat in fundamentalen Gegensatz zu den Deutschen Christen. Sie organisierte sich über einen Bruderrat aus dem NS-Regime ablehnend gesonnenen Pfarrern aus den einzelnen Landeskirchen.

Barmer und Dahlemer Papiere

Ihren Ausgang nahm die Bekennende Kirche in der Gründung des Pfarrernotbundes im Herbst 1933 durch einige Berliner Pfarrer, darunter Martin Niemöller, Dietrich Bonhoeffer, Herbert Goltzen, Eugen Weschke und Günter Jacob. Schnell traten rund 7.000 evangelische Geistliche dem Bund bei, was ungefähr 40 Prozent der gesamten protestantischen Pfarrerschaft Deutschlands entsprach. Ihre geistliche Stoßrichtung fand diese Notgemeinschaft in der von Karl Barth initiierten und im Mai 1934 in Wuppertal-Barmen verabschiedeten Theologischen Erklärung sowie in einem Papier einer Bekenntnissynode vom Oktober 1934 in Berlin-Dahlem. Dieses „Dahlemer Notrecht“ rechtfertigte die Gehorsamsverweigerung gegenüber der Obrigkeit.

Leitendes Gremium der Bekennenden Kirche war der Reichsbruderrat aus je einem unverdächtigen Vertreter aus den einzelnen Landeskirchen. Dieser Reichsbruderrat galt als eigentliche Führung der Evangelischen Kirche in Deutschland. Die Deutschen Christen und ihr Reichsbischof Müller standen als Sprachrohr des NS-Regimes somit außerhalb der Gemeinschaft der Bekennenden Kirche. Der Riss zwischen Deutschen Christen und Bekennender Kirche war tief und klaffte sogar nach 1945 nach Ende der NS-Herrschaft noch.

Doch auch innerhalb der Bekennenden Kirche gab es Gegensätze: Und zwar zwischen jenen, die für sich auch ein politisches Widerstandsrecht gegen staatliche Maßnahmen reklamierten und anderen, die sich lediglich auf die Reinhaltung der Verkündigung von völkischer Bevormundung richteten. Offener Widerstand führte bereits im März 1935, also vor 75 Jahren, zu ersten Verhaftungen von Theologen. Viele aufrechte Pfarrer wurden auch danach und bis zum Ende des NS-Regimes inhaftiert, verhört und gedemütigt. Die NS-Machthaber waren daran interessiert, Interna der Bekennenden Kirche wie Zugehörigkeit, Pläne und verdeckte Nachrichtenwege zu erfahren. Die Beteiligung von Theologen und Protestanten am Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 führte zu einer großen Zahl von Verhaftungen auch von Theologen und Persönlichkeiten, die aus ihrem Glauben heraus Widerstand leisteten. Hingerichtet wurden bis 1945 unter anderen Dietrich Bonhoeffer, Helmuth James Graf von Moltke, Karl Talazko und Kurt Bornitz.

Friedlicher Aufbau

Weitere prominente Zugehörige zur Bekennenden Kirche, die nach 1945 am Aufbau einer neuen friedlichen Ordnung mitarbeiten konnten, waren unter anderen in Kirchenleitung und Pfarrerschaft Heinrich Albertz, Friedrich von Bodelschwingh jr., Otto Dibelius, Martin Niemöller, Kurt Scharf, Albrecht Schönherr und Horst Symanowski, in der theologischen Professorenschaft neben Karl Barth auch Rudolf Bultmann, Friedich Delekat, Gerhard Ebeling, Helmut Gollwitzer und Erik Wolf, unter weiteren Hochschullehrern der Ökonom Constantin von Dietze, der Historiker Gerhard Ritter und der Kirchenmusiker Friedrich Smend sowie im politischen Bereich neben Heinrich Albertz auch Eugen Gerstenmaier, Gustav Heinemann und Hermann Ehlers.

Quelle: Informationsbrief Nr. 63/1-2010 des Evangelischen Seniorenwerks (ESW)

Foto (Vorschau): Jascha400d, sxc.hu

Autor: Prof. Kurt Witterstätter


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Leserbrief zu diesem Beitrag

Von Bernd Wild am 17.03.2010, 10:18 Uhr.
Diese Rückerinnerung an die Situation unserer Kirche im 3.Reich ist auch für mich eine Herausforderung, im Heute meinen Glauben an Gott und Jesus Christus mutig zu bekennen- besonders, wenn ich danach gefragt werde!
Von HeHe am 16.03.2010, 13:38 Uhr.
Ganz herzlichen Dank für diesen informativen Artikel! Sehr wichtig für die nachfolgende Generation, die von all diesen Dingen ja kaum mehr etwas weiß.
Ich schlage vor, mehr Biographien von diesen wichtigen Personen vorzustellen, so dass jede/r noch einmal lesen kann, was genau geschehen ist.
Von Ludger Schmidt am 16.03.2010, 11:58 Uhr.
Vielen Dank für den sehr interessanten und wichtigen Artikel, der hoffentlich von vielen - gerade auch jungen Menschen - gelesen wird.
Ich möchte als wichtige Theologen ergänzen Bischof Theophil Wurm, Prälat Karl Hartenstein und vor allem Helmut Thielicke.