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| Über den Autor Otto Steinführer
Das rechte Rühmen Bibelstelle: Jeremia 9, 22 Datum: 05.03.2002 Charakter: dogmatisch/lehrhaft Kirchenjahr: Septuagesimae Stil: Themenpredigt Umfang: Volltext |
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Liebe Gemeinde! Unser Predigtwort scheint uns in eine Wertediskussion zu führen. Angesichts der politischen Lage in Deutschland und anderer internationaler Krisen ist dies sicher ein aktuelles Thema. Dazu kommt die nötige innerdeutsche Neuorientierung in vielen Lebensbereichen. Aber wir sollten nicht vergessen, das eigentliche Thema des Prophetenspruches ist die Beziehung zu Gott. Wie antworten wir, wenn uns Gottes Liebe in Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit begegnet? Wie sehen wir die von Gott empfangenen Güter und Gaben, mit denen wir mit unserer Kraft und unseren Verstand umgehen und arbeiten? Sehen wir dabei unsere Leistung? Sind sie für uns Halt und Sicherheit oder beherrschen sie gar unser Leben? Das Bibelwort möchte uns helfen, dass wir erkennen: Wir stehen vor Gott mit leeren Händen, aber Gott beteiligt uns durch seine Güter und Gaben an seinem Handeln in Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit. Gott spricht durch den Propheten Jeremia drei Bereiche des Lebens an: Weisheit, Stärke und Reichtum. Sie haben im Alten Testament zum Teil einen viel positiveren Klang als in unserer Zeit. Wir sind durch viele katastrophale Folgen von Fehleinschätzungen und Missbrauch gegenüber Weisheit, Stärke und Reichtum oft sehr kritisch. Aber wir sind auch der ständigen Beeinflussung durch Werbung und sensationelle Erfolgsberichte ausgesetzt, die immer wieder falsche Hoffnungen herauf beschwören. Im Alten Testament bedeutet Weisheit - Klugsein, indem man Gott erkennt. Es bedeutet das Wissen, was Recht und Unrecht, lebensfördernd und lebenszerstörend ist. Wir denken dabei vielleicht an Salomo. Ihm hatte Gott angeboten: "Bitte, was ich dir geben soll." Salomo antwortete darauf: "So wollest du deinem Knecht geben ein gehorsames Herz, dass er dein Volk richten möge und verstehen, was gut und was böse ist." (1.Könige 3,4) Wir finden viele positive Worte über das Gottesgeschenk der Weisheit. Aber wir finden auch warnende Worte, die deutlich machen, dass Weisheit kein Besitz ist, sondern ein Geschenk aus der lebendigen Beziehung zu Gott. So sagt Jesus: "Ich preise dich Vater und Herr Himmels und der Erde, dass du solches den Weisen verborgen hast und hast es den Unmündigen offenbart" (Matth. 11,25). Wenn der Prophet von Stärke spricht, so ist das mehr als eine positive Eigenschaft. Es ist eine Kraft, sich gegen Widerstände durchzusetzen. Sie ist eine lebensnotwendige Kraft für den Einzelnen und für die Gesellschaft. Stärke ist nötig, Schaden zu begrenzen und abzuwehren. Aber zugleich steht die damit verbundene Machtausübung in Gefahr, Unrecht zuzufügen, eigene Interessen und Vorstellungen mit Gewalt durchzusetzen. Vom Machtmissbrauch haben wir im letzten Jahrhundert vieles erfahren. Auch in Zukunft werden Menschen unter Machtmissbrauch leiden, denn es heißt über das Ende der Zeit: "Denn der Frevler wird auftreten in der Macht des Satans ... mit allerlei Verführung zur Ungerechtigkeit" ..(2.Thess 2,9). Als drittes spricht der Prophet vom Reichtum. Reichtum galt im Alten Testament, sofern er nicht durch Unrecht erworben wurde, als Gottes Segen. Für die Israeliten, besonders in der Väterzeit (Abraham, Isaak, Jakob), verstand man Reichtum als Gottes Antwort auf ein frommes Leben. Der Umgang mit Reichtum stand aber bereits bei den Propheten des 8.Jahrhunderts unter Gottes Kritik. Das Neue Testament kritisiert vor allem die Gebundenheit durch Reichtum und die Illusion der Sicherheit durch Reichtum. So sagt Jesus im Gleichnis vom reichen Kornbauer: "Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und wes wird´s sein, das du bereitest hast? So geht es dem, der sich Schätze sammelt und ist nicht reich für Gott." (Lukas 12,20) Weisheit, Stärke und Reichtum stehen unter dem Blickpunkt des Rühmens. Für Rühmen könnte auch Stolz sein, vertrauen, sich freuen oder jubeln stehen. Wir mögen uns an Reichtum, Stärke und Weisheit freuen. Vielleicht jubeln wir auch, wenn wir das Eine oder Andere erreicht haben und sind stolz darauf. Wenn wir uns aber auf Weisheit, Stärke und Reichtum verlassen oder unser Leben davon bestimmen lassen, begegnet uns Gottes Wort durch Jeremia als Korrektur. Denn Ruhm und Ehre gebührt nicht unserm Tun und nicht den Gütern dieser Welt, sondern allein dem Wirken des lebendigen Gottes. Wir begegnen Gottes Wirken als Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit. In Jesus können wir erkennen, wie Gott dies in der Welt und an uns wirkt. Vielleicht denken Sie, mit Weisheit, Stärke und Reichtum sind wir nicht angesprochen. Ist uns mit der Bibel nicht Erkenntnis von Gut und Böse nach Gottes Willen geschenkt? Haben wir nicht unsere Stärken und üben gewollt und ungewollt Macht aus? Sind wir nicht reich durch die Liebe von Mitmenschen, durch das, was wir tun können und mit unseren Sinnen aufnehmen, abgesehen von dem mehr oder weniger bescheidenen Wohlstand in unserem Leben? Vor Gott aber stehen wir mit leeren Händen und empfangen SEINE Liebe als Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit. Dass Gott uns annimmt und immer neu SEINE Gemeinschaft um Jesu willen schenkt, dessen können wir IHN rühmen und preisen. Lassen Sie uns Gott antworten mit dem Spruch der neuen Woche: "Wir liegen vor dir mit unserem Gebet und vertrauen nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit" (Dan 9,18). Ihr Pfr.i.R. O.Steinführer ²Die Bibel, nach der deutschen Übersetzung Dr.M.Luthers, Altenburg 1962 |
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