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Sexuelle Gewalt verhindern

Wenn die Seele in Scherben liegt

Wie kann man sexuelle Gewalt verhindern? Wie den Betroffenen helfen? Der CVJM hat bereits vor Jahren eine wichtige Arbeitshilfe zu dem Thema herausgegeben.

Es ist ein mutiges Papier - und ein notwendiges. Bereits im Jahr 2001 - also lange bevor das Thema Missbrauch das Vertrauen in Kirchen und Schulen erschüttert hat - hat der CVJM-Gesamtverband eine Arbeitshilfe "Sexueller Gewalt begegnen" herausgegeben. Anstoß für das Arbeitspapier war "die Erfahrung von sexueller Gewalt auch im Bereich der Jugendarbeit des CVJM", wie in der Einführung der Handreichung offen eingeräumt wird. Ziel des Papiers ist es, aufzuklären und Mitarbeitern Richtlinien und Handlungsstrategien an die Hand zu geben, um "sexueller Gewalt angemessen zu begegnen". 

Die 24-seitige Handreichung erläutert die verschiedenen Formen sexueller Gewalt, beschreibt die Folgen und geht auf die Strategien der Täter ein. Wie ernst das Thema ist, macht der Bericht einer Betroffenen deutlich, die von ihrem Stiefvater sexuell missbraucht wurde. Gerade Menschen, die Betroffenen helfen wollen, müssen sehr vorsichtig vorgehen. Conny, so der Name der Betroffenen, schreibt:

"Es war unglaublich schwer, und sie musste mit behutsam helfen, die Wahrheit ans Licht zu bringen, da mir ja nach wie vor die Worte fehlten, den Missbrauch als solchen zu benennen. Am liebsten wäre sie mit mir zu ProFamilia gegangen, hätte den Täter angezeigt - doch das hätte ich in meinem völlig verängstigten Zustand nicht verkraftet."

Damit Mitarbeiter ein Gespür für das Thema bekommen, werden im weiteren Verlauf der Arbeitshilfe mehrere fiktive Fallbeispiele sexueller Gewalt umrissen und verschiedene Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt. Gerade diese Beispiele zeigen, wie wichtig es, Jugendmitarbeiter für das Thema zu sensibilisieren. Neben dem Verschweigen und Verdrängen kann auch gut gemeinte Hilfe großen Schaden anrichten. Und zwar dann, wenn sie nicht umsichtig ist:

"Für die Aufarbeitung von Erlebnissen sexueller Gewalt ist qualifizierte therapeutische und/ oder seelsorgerliche Hilfe notwendig. Nicht ausgebildete Seelsorger und Therapeuten sind in der Regel überfordert. Betroffene Menschen sind deshalb zu motivieren, fachlich qualifizierte Hilfe in Anspruch zu nehmen".

Obwohl die CVJM-Arbeitshilfe in erster Linie als Handreichung für die eigenen Mitarbeiter gedacht ist, kann sie auch für diejenigen eine Hilfe sein, die sich in der Kinder- und Jugendarbeit engagieren und sich mit dem Thema Sexuelle Gewalt auseinandersetzen wollen. Der CVJM bietet das Arbeitspapier zum Download auf seiner Internetseite an: www.cvjm.de

Eine weitere lesenswerte Broschüre bietet das Gemeindejugendwerk GJW an. Das GJW ist zuständig für die Kinder- und Jugendarbeit des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (Baptisten) in Deutschland: www.gjw.de

Foto: jfg, sxc.hu


Mehr zum Thema

ERF Spezial zum Thema Missbrauch (Sondersendung in Radio und Fernsehen vom 16. April 2010)

ERF Fernsehen:
-
Missbrauch - "Ich hab´s keinem erzählt"
- Trauma ohne Ende

ERF Radio:
- Wie schütze ich mein Kind vor sexuellem Missbrauch (Kurzbeitrag)?
- Wie schütze ich mein Kind vor sexuellem Missbrauch (35min-Fassung)?
Vorsorge - ein Gespräch mit Rolf Trauernicht, Leiter des Weissen Kreuzes

ERF Online:
- Missbraucht: Bericht eines Betroffenen

Weitere Infos:
- Literatur zum Thema

 

Autor: Michael Gerster


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Leserbrief zu diesem Beitrag

Von Dorothea Isserstedt am 23.04.2010, 8:31 Uhr.
Es ist ein sehr trauriges,ernstes Thema,das im Grunde wie ein Erdbeben die Gesellschaft erschüttert hat.
Neulich habe ich aber noch eine andere Seite dieses Problems im TV gesehen:
wenn potenzielle Täter fachliche Hilfe suchen,bevor es zu einer Straftat kommt,finden sie kaum Ansprechpartner.Mancher Arzt sagte auch,verlassen sie meine Praxis,damit will ich nichts zu tun haben.
Das ist auch schwer.
Schalom !D.Isserstedt
Von Rainer Rudolph am 21.04.2010, 13:54 Uhr.
Das Evangelische Jugendwerk in Württemberg hat unter dem Titel: Menschenskinder, ihr seid stark eine neue Arbeitshilfe zu diesem wichtigen Thema erstellt. Darin enthalten ist auch eine Selbstverpflichtung für Mitarbeitende. Download der Selbstverpflichtung und mehr Informationen gibt es auf der Seite des Evangelischen Jugendwerkes ejwue.
Von charly am 18.04.2010, 8:21 Uhr.
Bravo. Endlich wird das Thema im Newsletter auch aufgegriffen.