Ältere Menschen begleiten
Die Gesellschaft wird immer älter. Wie man dieser Herausforderung begegnen kann, zeigt ein auch für Gemeinden sehr interessantes Kompendium.
Eine inhaltsreiche Zusammenfassung von Themen und Problemen, die Senioren und Seniorinnen beschäftigen, legt Matthias Dannenmann in Band 1 von „Gerontologie und Gesellschaft“ vor. Sicher soll dieser Band kein Ersatz sein für die vielen Publikationen, die von Verlagen und Seniorenorganisationen laufend veröffentlicht werden. Doch überrascht die Fülle des sachkundig dargebotenen Inhalts. Es geht dem Autor um „Die Begleitung älterer Menschen durch Bildung, Gemeindeaufbau und Seelsorge“.
Jeder, der den wachsenden Auftrag christlicher Gemeinden in einer älter werdenden Gesellschaft kennt, wird dankbar sein für die umfangreiche Materialsammlung, die einem dieses Kompendium an die Hand gibt.
Stichworte: Da wird z. B. davon gesprochen, wie sich die viel zitierte demographische Herausforderung und die neue Qualität der Lebensphasen auswirkt. Gefragt wird, ob die Alten eine erdrückende Last sind und ob dringend notwendige Reformen Abhilfe schaffen können. Dannenmann lässt wiederholt bekannte Autoren und Experten zu Wort kommen (wie R. Gronemeyer, U. Lehr u. a.).
Beachtenswert (auch für engagierte Christen, die sonst keinen Zugang zum Thema „Senioren“ haben) sind Dannenmanns Ausführungen über „das Alter und der ältere Mensch in der Kirche“ und „Aspekte des biblischen Menschenbildes“.
Für sehr beachtenswert halte ich die Kapitel „Gemeindeaufbau – der Auftrag für eine wachsende und zu stärkende Kirche“ und „Altenseelsorge“. Der Autor macht Mut zum Aufbruch mit den neuen Alten, gibt Empfehlungen und berichtet informativ von „Initiativen und Angeboten für die neuen Alten.“
Mit Recht weist Dannenmann auf eine Aussage von Peter G. Peterson, Vorsitzender der Federal Reserve Bank New York, hin, der die Ansicht vertritt, dass die globale Krise des Alterns „zu den großen Herausforderungen gehört, weil sie die Zukunft der Bevölkerung in den entwickelten Gesellschaften bestimmen wird“ (S. 10). Dannenmann möchte, dass seine Arbeit die neuen Alten stärker in das Blickfeld der Kirche geraten lässt und sie „für eine engagierte Mitarbeit in ihren Gemeinden gewonnen werden“ (S. 339).
Sehr wichtig und hoffentlich von vielen gehört ist der Hinweis des Autors darauf, dass die Kirche noch von den älteren Menschen, besonders in der vierten Lebensphase profitiert. „Aber mit ihnen allein lässt Kirche sich nicht weiterbauen“ (S. 340). Doch noch kann sich die Kirche glücklich schätzen über ihre Alten, gleichsam ihr Kapital. Doch „ohne ein engagiertes Programm für die neuen Alten werden Kirchengemeinden in den nächsten Jahren den Anschluss an die gesellschaftliche Entwicklung verpassen“. Zu solchen Programmen wird es gehören, rüstige „junge“ Senioren mit sinnvollen Aufgaben zu betrauen. Sie wollen gebraucht werden, möchten mitarbeiten, planen, gestalten, anstatt sich an Kaffeetafeln unterhalten zu lassen.
Kauf- und Leseempfehlung: Pfarrer, kirchliche Mitarbeiter/innen, Seniorenbeauftragte und Menschen, die darüber nachdenken, wie sich ihr Alter einmal gestalten wird.
Matthias Dannenmann
Gerontologie und Gesellschaft, Band 1
Die Begleitung älterer Menschen durch Bildung, Gemeindeaufbau und Seelsorge
Weißensee Verlag, 2009
406 Seiten
€ 26,00
(Foto: Mokra, sxc.hu)
Autor: Horst Marquardt



