Nur ein bisschen Öl und Mehl
Die Geschichte von Elia und der Witwe von Zarpat ist ein Beweis dafür, dass auch Heiden Gott nahe sein und von ihm lernen können.
Das 17. Kapitel im 1. Buch der Könige berichtet uns von der Witwe aus Zarpat, einer Stadt im Gebiet von Sidon am Mittelmeer. Den Namen der Witwe kennen wir nicht. Sie lebte zur Zeit des Propheten Elia. Als dieser im Auftrag Gottes dem israelitischen König Ahab eine große Dürre voraussagte, musste er vor Ahab und dessen Frau Isebel fliehen und verbarg sich am Bach Krit, der zum Jordan fließt. Die Raben versorgten ihn mit Brot und Fleisch, und er trank aus dem Bach. Aber nach einiger Zeit vertrocknete der Bach, weil kein Regen mehr das Land belebte. Da sprach das der Herr zu Elia:
„Mache dich auf und geh nach Zarpat, das bei Sidon liegt und bleibe dort; denn ich habe dort einer Witwe geboten, dich zu versorgen“ (1.Könige 17,9). Zarpat galt als die Heimat der Königin Isebel, die sich auf die Fahnen geschrieben hatte, alle zu vernichten, die den Gott Jahwe verehrten und anbeteten. Die Einwohner von Zarpat waren also keine Israeliten, sondern Heiden.
Die wunderbare Nahrungsvermehrung - schon im Alten Testament
Als Elia an das Tor der Stadt Zarpat (oder Sarepta) kam, sah er eine Frau, die Holz sammelte. Er sprach sie an und bat sie, ihm etwas Wasser zu bringen, weil ihn dürstete. Als sie schon ging, rief er ihr noch nach: „Bring mir auch einen Bissen Brot mit“. Sie sprach: „So wahr der Herr, dein Gott, lebt: Ich habe nichts Gebackenes, nur eine Hand voll Mehl im Topf und ein wenig Öl im Krug. Und siehe, ich hab ein Scheit Holz oder zwei aufgelesen und gehe heim und will mir und meinem Sohn zurichten, dass wir essen und – sterben“ (1.Könige 17,12).
Elia richtet die Verzagte auf, spricht ihr Mut zu, sie solle sich nicht fürchten und weist sie an, erst ihm vom Mehl und Öl etwas Gebackenes zu bringen und danach auch sich und ihren Sohn zu versorgen. Und eine große Verheißung spricht der Prophet aus: „Das Mehl im Topf soll nicht verzehrt werden und dem Ölkrug soll nichts mangeln bis auf den Tag, an dem der Herr es regnen lassen wird auf Erden“ (1.Könige 17,14).
Sie ging hin und tat, wie Elia es ihr gesagt hatte. Tag für Tag wurden sie satt, und das Mehl ging nicht aus und das Öl im Krug versiegte nicht. Hier werde ich an die Speisung der Fünftausend im Neuen Testament erinnert, als alle satt wurden und Brot und Fisch sich auf wundersame Weise beim Teilen vermehrten. Kennen nicht auch wir ähnliche Situationen in unserem Leben, als wir uns verwundert fragten, wie es gekommen ist, dass das Wenige, um das wir bangten, plötzlich ausreichte für alles, was wir brauchten?
Die Witwe erkennt: Gott ist ein gnädiger Gott
Nach dieser Geschichte geschah etwas, das die arme Witwe zum Verzweifeln brachte. Ihr Sohn wurde schwer krank und „und es blieb kein Odem mehr in ihm“. Sie klagte Elia an:
„Was hab ich mit dir zu schaffen, du Mann Gottes? Du bist hierher gekommen, um Gott an all’ das Böse zu erinnern, was ich getan habe. Und zur Strafe ist mein Sohn jetzt tot.“ (1.Könige 17, 17+18).
Welch eine Verirrung! Damit musste Elia nun fertig werden. Er tat es, indem er den Sohn vom Schoß seiner Mutter nahm, mit ihm ins Obergemach ging, wo er wohnte, ihn dort auf sein Bett legte und Gott betend anklagte, ob er denn der Witwe, bei der er zu Gast sei, so Böses antun und ihren Sohn töten wolle? „Und er legte sich auf das Kind drei Mal und rief den Herrn an und sprach: Herr, mein Gott, lass sein Leben in dies Kind zurückkehren“ (1.Könige 17,21). Und Gott erhörte das heiße Flehen Elias, und das Kind wurde wieder lebendig. Elia gab es seiner Mutter zurück mit den Worten: „Sieh da, dein Sohn lebt!“
Überwältigt und überglücklich erkennt die Frau jetzt in Elia den Boten Gottes und bekennt: „Alles, was du im Auftrag des Herrn sagst, ist wahr“ (1.Könige 17,24b). Das Wunder an ihrem Kind ließ die Witwe zweierlei erfahren: Sie kam zum Glauben an den Gott Israels und sie erkannte, dass Gott denen vergibt, die ihm vertrauen. Sie wusste nun, dass Gott sie nicht für ihre Sünden aus der Vergangenheit strafen wollte, sondern ein gnädiger Gott ist.
Was man von "den Heiden" lernen kann
Im Neuen Testament begegnet uns die Witwe von Zarpat noch einmal und zwar im Lukasevangelium, als der Evangelist die Predigt Jesu in der Synagoge seiner Heimatstadt Nazareth beschreibt: „Aber wahrhaftig, ich sage euch: Es waren viele Witwen in Israel zur Zeit des Elia, als der Himmel verschlossen war drei Jahre und sechs Monate und eine große Hungersnot herrschte im ganzen Lande, und zu keiner von ihnen wurde Elia gesandt als allein zu einer Witwe nach Sarepta im Gebiet von Sidon“ (Lukas 4,25+26). Was will Jesus damit sagen? Er will seinen Landsleuten deutlich machen, dass Gott den Elia zu einer Heidin schickte und nicht zu den Frommen, weil Gott sich schon immer um die Schwachen und Armen gekümmert hat und ihnen aus ihrer Not half.
Die Leute aus Zarpat waren Heiden, so auch die Witwe. Aber manchmal lässt sich auch von Heiden etwas lernen. Die Grundhaltung der Witwe spricht für vertrauende Mitmenschlichkeit, denn sie lässt sich auf Elias Bitte ein, erst ihm etwas zum Essen zu bringen und danach sich selbst und ihren Sohn zu versorgen. Sie hätte das ja auch umkehren oder ganz ablehnen können. Aber indem sie das Wenige, was sie hat, teilt, macht sie die Erfahrung, dass sie das Vielfache zurück erhält. War hier die Heidin Gott vielleicht näher als so mancher Fromme?
(Foto: melaniemar, sxc.hu)
Autor: Helga Lampe
Leserbrief zu diesem Beitrag
- Von Gudrun am 07.03.2010, 16:51 Uhr.
- Danke, Frau Lampe, für diese schöne Geschichte, die alt und dennoch aktuell ist. Diese Geschichten enthalten so viele Aspekte und sind unerschöpflich reich in ihrer Botschaft. Ein Ja zu Ihrer Schlussfrage! Die Witwe hat zuerst für Elia gesorgt. "Vertrauende Mitmenschlichkeit" - ja sie war Gott nahe und er hat ihr segensreich vergolten.



