Ein Einbrecher wird Missionar
Als Bandenführer verhaftet, setzt er sich später zum Wohl eines Volkes ein: Vor 170 Jahren wurde der Missionar Lars O. Skrefsrud geboren.
Vom Tellerwäscher zum Millionär – in den USA ist das möglich, so zumindest lautet das gängige Klischee. Wenige schaffen das wirklich. Vom Einbrecher zum Missionar – diesen Weg beschreiten ebenso wenige Leute. Der Norweger Lars Olsen Skrefsrud ist einer von ihnen. Am 4. Februar vor 170 Jahren wurde er geboren.
Als junger Mann gerät Skrefsrud auf die schiefe Bahn. Seine Mutter stirbt früh, sein Lehrherr trinkt reichlich Alkohol und er folgt dessen Vorbild. Als Anführer einer Bande Jugendlicher wird er bei einem Einbruch erwischt und zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt. Am 4. Februar 1840 war er in Norwegen in der Nähe von Lillehammer zur Welt gekommen.
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| Kinder in Indien |
Missionar mit Vorstrafe
Doch ausgerechnet im Gefängnis nimmt sein Leben eine Wende. Er liest die Bibel, wendet sich Gott zu und ändert sein Leben. Skrefsrud ist lernbegierig. Er liest während der Haft viele Bücher, lernt Englisch, Deutsch, Latein, liest sogar das Neue Testament auf Griechisch. Mit Anfang 20 kommt er aus dem Gefängnis. Er würde gerne Missionar werden – aber mit seiner Vorstrafe nimmt ihn die norwegische Missionsgesellschaft nicht an. Er erhält den Tipp, sich nach Deutschland an die Gossner’sche Mission zu wenden. Tatsächlich wird er dort angenommen und in der Missionsschule ausgebildet. Die Gossner’sche Mission sendet ihn zusammen mit dem Dänen Hans Peter Börresen 1863 nach Indien aus.
Im Dienst für ein Volk
Kurze Zeit nach ihrer Ankunft in Indien lassen sich Skrefsrud und Börresen im Nordosten des Landes nieder. Dort wohnen die Santal. Sie gehören zu den Ureinwohnern Indiens. Der sprachbegabte Skrefsrud lernt in kurzer Zeit ihre Sprache, das Santali. Mit Hilfe eines Mundspiegels beobachtet er genau, wie die Einheimischen Mund und Zunge bewegen, um die einzelnen Laute auszusprechen. Als er sich in Santali verständigen kann, beginnt er zu predigen. Schon bald bekehren sich die ersten Einheimischen. Skrefsrud entwickelt ein Santali-Alphabet und bringt den Einheimischen Lesen und Schreiben bei. Er übersetzt einige Bibelteile. Außerdem schreibt und komponiert er Lieder für die junge Kirche.
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| Ein Leben im Dienst der Santal: Lars Olsen Skrefsrud |
Neue Ansätze missionarischer Arbeit
1865 gründet er mit Börresen zusammen seine eigene Missions-Gesellschaft, die Santal-Mission. Für seine Zeit benutzt Skrefsrud sehr fortschrittliche Methoden bei der Missionsarbeit: Ihm ist es wichtig, dass die Neubekehrten weiterhin in ihren Dörfern und Sippen wohnen bleiben. Es sollen keine separaten christlichen Dörfer entstehen. Außerdem möchte er nicht, dass die Santal ihre Kultur ablegen und europäische Bräuche annehmen. Er will ihnen das Christentum bringen, nicht die europäische Kultur. Skrefsrud reist im Land umher. Er besucht viele Dörfer und predigt dort. Außerdem schreibt er Bücher über Sprache und Kultur der Santal.
Aus gesundheitlichen Gründen reist Skrefsrud mehrmals nach Europa. In Norwegen, aber auch in England und sogar in Amerika berichtet er über seine Mission und sammelt Spenden. Doch er kehrt immer wieder nach Indien zurück. In den letzten Jahren seines Lebens ist er durch einen Schlaganfall halbseitig gelähmt. Dennoch ist er unermüdlich für die Santal tätig. Am 11. Dezember 1910 stirbt Lars Olsen Skrefsrud in seinem Haus im Santalgebiet. Aus der Kirche, die er gründete, wurde in den Fünfziger Jahren die Northern Evangelical Lutheran Church, der heute etwa 85.000 Mitglieder angehören.
Bilder: sxc.hu / as him, Wikimedia commons
Autor: Gundhild Franz
Leserbrief zu diesem Beitrag
- Von Andreas Folkmann am 06.02.2010, 17:49 Uhr.
- Wie ich heute morgen den Namen Skrefsrud hörte, dachte ich den Namen kenne ich aus "Vom Beten" von Ole Hallesby (Seite 54, Gebetsarbeit)!
Lars Olsen Skrefsrud ist nicht einfach so Missionar geworden.
Etwas ganz, ganz wichtiges fehlt in Ihrer Vita. Hier ein Ausschnitt:
"Dabei arbeiten Bauern, Fischer, Handwerker und Geschäftsleute täglich jeder in seinem Beruf, die von Gott zu Verkündigern ausersehen sind, aber sie werden nicht »in seine Ernte gesandt«, weil wir nicht um diese Gnadengaben beten.
In diesem Zusammenhang will ich erwähnen, was das einfache Bauernmädchen Bolette Hinderli ausrichten durfte für den großen Zeugen des Herrn Lars Olsen Skrefsrud.
In einem Gesicht sah sie einen Gefangenen in einer Zelle. Sie sah deutlich sein Gesicht und seine ganze Gestalt. Und eine Stimme sagte zu ihr: »Dieser wird ein ähnliches Schicksal erleiden wie Ole Höiland, wenn ihn niemand in sein Gebet einschließt. Bitte für ihn, und ich werde ihn aussenden, meinen Ruhm den Heiden zu verkünden.«
Bolette gehorchte dem himmlischen Zeichen, litt, betete und stritt für diesen Gefangenen, den sie nicht kannte. Sie wartete sehnsüchtig darauf, von einem Gefangenen zu hören, der sich bekehrt hatte und zum Missionswerk berufen worden war.
Endlich hörte sie bei einem Besuch in Stavanger von einem Strafgefangenen, der sich bekehrt hatte und nun dort in der Stadt sprechen sollte. Als Skrefsrud an das Rednerpult trat, erkannte sie ihn aus ihrem Gesicht wieder.
Diese Frau hatte Jesu Wort verstanden, daß wir Gnadengaben erbitten sollen.
Soweit ich Gottes Wort verstehe und die Geschichte des Gottesreiches kenne, gibt es keine Gebetsarbeit, die wichtiger ist als diese. Kommt der rechte Mann auf den rechten Platz, gibt es für das, was er ausrichten kann, fast keine Grenze. Wir brauchen nur an Männer zu denken wie Martin Luther, Hans Nielsen Hauge, Lars Olsen Skrefsrud, Hans Peter Börresen, William Carey, Hudson Taylor."
Es ist das beste über das Beten, was je in Tinte zu Papier gekommen ist.
Vielen Dank für die "Fortsetzung", das hatte mir noch gefehlt.




