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Gemeinde & Mission

"Schlafstadt" – wo der postmoderne Mensch zur Ruhe kommt

In der Nähe von Lörrach gibt es eine in Deutschland ziemlich einzigartiges Haus für müde Häupter: das christliche Hotel "schlafstadt". Ein Erfahrungsbericht

Kurz vor der schweizerischen Grenze bei Lörrach, in einem kleinen Ort namens Eimeldingen, gibt es ein in Deutschland ziemlich einzigartiges Projekt: G5. Es ist das Zentrum der FeG Rebland, wobei G5 für „Gemeinde, Gewerbe, Gemeinsam helfen, Generationen, Gemeinschaft“ steht. Ziel dieses Projekts, das im nächsten Jahr zehn Jahre alt wird, ist es nach eigenen Angaben „Gemeinde und Gewerbe unter einem Dach zu vereinigen“. Neben einem Cafe und einem Restaurant wird dort auch ein kleines, aber feines Hotel betrieben, das Hotel „schlafstadt“. Aber was bietet ein christliches Hotel eigentlich? Schläft man sicherer, behüteter? Wir haben die Probe gemacht und das Hotel „schlafstadt“ besucht. 

Das Leben umarmen

Ich komme spät abends gegen 20 Uhr auf dem G5 Parkplatz an. Gelbe und lila Neonröhrern verkünden, dass ich am Ziel meiner Reise angelangt bin: Hotel „schlafstadt“ und Cafe „tagtraum“ leuchtet es mir postmodern entgegen. Hier muss ich heute Abend einchecken, denn die Rezeption des Hotels ist an diesem Tag nur bis 14 Uhr besetzt. Vor dem Eingang zum Cafe treffen sich eine Gruppe Jugendliche, die sich und wahrscheinlich das ganze Leben voller Freude umarmen. Der Parkplatz ist ziemlich voll, hier müssen viele fromme oder viele hungrige Seelen unterwegs sein. Oder vielleicht beides. Meine Seele scheint auf jeden Fall in den Kniekehlen zu hängen. Nach einer anstrengenden Tagung in der Schweiz fühle ich mich verschnupft, krank und hungrig und freue mich – auf mein christliches Bett.

Fleischliche Gelüste

Vorher hoffe ich aber noch, meine fleischlichen Gelüste befriedigen zu können. Ein Steak oder ein Burger wäre jetzt genau das Richtige. Und ich habe Glück. Kurz nachdem ich das Cafe betrete spricht mich ein netter, trendiger Mann in T-Shirt und Jeans an und fragt mich, ob ich ins Hotel einchecken will. Ich muss wirklich müde aussehen. Und hungrig, denn er macht mich darauf aufmerksam, dass die Küche noch eine Zeit lang geöffnet hat. Es gibt Beefburger und Mango-Chicken-Burger. Ich fange an, mich wohlzufühlen. Auch das Design tut sein Übriges dazu. Vom Stil und der Einrichtung her könnte ich mich genau so in einem Cafe eines Hamburger Szeneviertels befinden. Man vergisst fast völlig, dass es sich um ein christliches Cafe handelt, zumindest wenn man in der guten alten Teestubenzeit aufgewachsen ist. Mein erster Eindruck: Das Konzept, mit professionellen, gewerblichen Angeboten nicht nur der Gemeinde zu dienen, sondern in die Gesellschaft hineinzuwirken, scheint hier aufzugehen. Verglichen mit dem Schweizer Hotel, in dem ich die Nacht zuvor verbracht habe, muss ich kein frommes Auge zudrücken, was Service und Dienstleistung angeht. Plus: Ich fühle mich hier wirklich willkommen, ein ganz klein bisschen zu Hause - sogar nach einer langen Reise.

Einladend und transparent

Und der Service geht zügig und freundlich weiter. Der junge Mann bringt mich zu meinem Zimmer und möchte wissen, ob ich schon mal hier war. Ich verneine und erwähne auch nicht, dass ich hier bin, um einen Bericht für eine christliche Internetseite zu schreiben. Denn ich möchte so behandelt werden wie jeder andere auch. Auf dem Weg zu meinem „Schlafgemach“ – denn Zimmer ist vielleicht das falsche Wort, wie sich später herausstellen wird – gehen wir durch das Restaurant „sichtwerk“. Und obwohl es dunkel ist, ahne ich, dass der Name Programm ist. Alles ist sehr offen gehalten mit ganz viel Glas, angenehmen Holzfarben und einem großen, weiten Raum. Überhaupt ist da ein Gefühl, das bei mir hängen bleibt. Alles wirkt sehr offen, transparent. Man hat das Gefühl, hier hat sich wirklich jemand vom Gesamtkonzept her Gedanken gemacht. Und auch wenn ich jetzt vielleicht zu viel hineininterpretiere, wie mir mein Deutschlehrer gerne vorgeworfen hat - es scheint, als ob man mit seinem Christsein ganz offen und einladend umgehen will.

Kein Schlaf in der Schlafstadt?

Auf dem Weg zum Zimmer kommen wir durch einen großen Raum, der wie eine Industriehalle wirkt. Nur sauberer und ohne Maschinen eben. Später erfahre ich, dass hier oft Hochzeiten oder Firmenfeiern stattfinden und der Raum mit dem angrenzenden Restaurant zum großen Teil auch von Nichtchristen gebucht wird.

Was mich dann doch überrascht, ist die Tatsache, dass es in dem Hotel nur zwölf Zimmer gibt. Ich verkneife mir an dieser Stelle die Interpretation und konzentriere mich ganz auf die Architektur. Die Zimmer sind um diese große Halle herum angeordnet, sozusagen im ersten Stock. Wenn hier Konzerte stattfinden, hat man von seiner Unterkunft bestimmt einen prima Blick auf das Geschehen. Oder man kann gleich in seinem Bett liegen bleiben und dem Treiben von dort aus lauschen, denke ich mir. An Schlaf wird dann in der Schlafstadt wohl weniger zu denken sein.

Designtechnische Stolpferfalle

Das erste Mal, dass ich designtechnisch ins Stolpern gerate, ist beim Betreten des Zimmers. Im Eingangsbereich befindet sich auf dem Boden ein riesiger, großer Farbfleck. Es wirkt so, als ob jemand unter der Tür eine Pinsel geklemmt und dann dort vergessen hat. Aber wahrscheinlich hat die Farbe nicht gereicht, denn ansonsten ist der Boden schwarz (Am nächsten Morgen gelingt es mir aber, einen Blick in die anderen Zimmer zu werfen. Auch hier das Gleiche. Ein Wischfleck am Boden im Türbereich. Aha, das Ganze ist also Teil des Stils).

Hier kann der postmoderne Mensch zu Hause sein

Sehr angenehm ist auch das Badezimmer. Mit Milchglasscheibe statt Wand getrennt vom Schlafbereich muss es sehr angenehm sein, hier ein Bad zu nehmen. Obwohl das Bad nicht größer ist als das bei anderen Hotelzimmern auch wirkt es doch viel größer. Ich bin allerdings an diesem Abend zu müde, um noch ein Bad zu nehmen. Außerdem muss ich noch den Burgertest machen. Wobei zwei Dinge schon mal sicher sind: Ich werde heute Abend nicht nur gut, sondern auch geschmackvoll schlafen. Und: Wenn es der postmoderne Mensch ein Zuhause, dann hier in der Schlafstadt der FeG Rebland.

Und dann entdecke ich sogar doch noch einen kleinen, etwas deutlicheren Hinweis darauf, dass ich mich einem christlichen Hotel bin. Auf einem kleinen, weißen Schreibtisch liegt eine Bibel – passend allerdings zum Ambiente in einem silbernen, stilvollen Einband mit schwarzer Aufschrift.

Links zum Thema:

www.feg-rebland.de

www.hotel-schlafstadt.de
 

Autor: Michael Gerster

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Leserbrief zu diesem Beitrag

Von Miroslaw am 24.11.2009, 14:54 Uhr.
Oft Christliche Uterkünfte haben
nichts mit den Christen zu tun.
Das habe ich bei dem Obdachlosen
Heim der Heilsarmee erfahren.
Ohne Internet bin ich gut angekommen - wie ?
Kommunikation ist alles ? und vorher ging auch ohne moderne Mittel. Wir haben doch nicht vergessen wie man sich verständigt ?
Weniger Stress und mehr Freiheit ohne Internet und Händy.
Von Rainer am 23.11.2009, 12:21 Uhr.
New Topic: Wie definieren denn neoevangelikale Avantgardisten den Begriff Postmoderne? Über einen kleinen Diskurs wäre ich dankbar :-) Und wie gibt sich
postmodernes Hotelpersonal mit christlichem Background in ihrem innovativen Business? Ich muss da mal hin! Wenn ich schon keine postmoderne Gemeinde finde...
Von Michael am 19.11.2009, 10:43 Uhr.
Esther,
popup zulassen?! Dann gibt es die gewünschten Infos unter www.hotel-schlafstadt.de
Von esther am 19.11.2009, 10:22 Uhr.
Fand den artikel sehr ansprechend und willte mir sofort die Internetseite anschauen um vielleicht mal einen Ausflug für die Familie dahin zu organisieren- aber die Internetseite ist eine Katastrophe- ich kriege nur ein Bild eines Bettes und eine Impressum - aber sonst keine weiteren Infos(Preise,Ausstattung etc.)
-einfach schade
Von andreasm am 19.11.2009, 7:40 Uhr.
hallo michael,
du hättest ja auch bei uns schlafen können...
aber dann gäbe es diesen bericht nicht. da ich das konzept von g5 gut kenne, kann ich sagen, dass dein bericht sehr gut wiedergibt, was dort gelebt und gearbeitet wird.
und es freut mich auch, dass dir die schlafstadt gefallen hat. liebe grüsse nach wetzlar,
andreasm