Zwischen Trauer und Hoffnung
Der November spiegelt mit seinen Totengedenktagen Verlust und Schmerz atmosphärisch so wider, wie kaum ein anderer Monat. Doch es bleibt auch Raum für Trost.
"Brüder, wir wollen euch über die Verstorbenen nicht in Unkenntnis lassen, damit ihr nicht trauert wie die anderen, die keine Hoffnung haben. Wenn Jesus - und das ist unser Glaube - gestorben und auferstanden ist, dann wird Gott durch Jesus auch die Verstorbenen zusammen mit ihm zur Herrlichkeit führen." (1.Thessalonicher 4,13-14)
Der November wird von vielen Menschen als grau und bedrückend empfunden. Da gibt es Tage, an denen sich der Nebel kaum über die Dächer hebt. Die Blätter der Bäume verfärben sich zu einem traurigen Rostbraun und liegen welk und hässlich auf dem Asphalt. Die Dämmerung setzt früh sein und so mancher erhascht nur in der Mittagspause ein wenig Tageslicht.
Kein Wunder, dass bei dieser Atmosphäre die kirchlichen Gedenktage zur Erinnerung an die Verstorbenen in den November fallen: Katholische Christen feiern in diesem Monat Allerseelen, evangelische Christen den Toten – oder Ewigkeitssonntag. Die trübe Stimmung kann der eigenen Trauer über den Tod eines Menschen Ausdruck verleihen und hilft dabei, sie zu verarbeiten.
Zum Glück gibt es aber auch andere Novembertage: Da zerreißt die Sonne den Nebel und lädt Spaziergänger dazu ein, das raschelnde Laub unter ihren Füßen und den klaren, blauen Himmel über ihnen zu genießen. Selbst der Blick aus dem Bürofenster ist nicht mehr nur trist. Man kann zwischendurch einmal die Sonne genießen und die trüben Gedanken abschütteln.
Zwischen Trauer und Hoffnung
Diese Wechselstimmung spiegelt sich auch im Monatsspruch für den November wider. Er stammt aus einem Brief, den der Apostel Paulus an die Christen in Thessaloniki geschrieben hat.
Wie alle anderen Menschen, kannten auch die Christen in Thessaloniki den Schmerz um verstorbene Bekannte, Freunde und Angehörige. Paulus macht diesen Trauernden Mut: Ein Mensch, der an Jesus Christus geglaubt hat, wird von den Toten auferstehen. Sein Leben endet nicht mit einer hoffnungslosen und unfassbaren Leere. Gott wird ihm eine neue Existenz geben: Ein Leben, das zeitlich nicht mehr begrenzt ist und zudem eine unfassbar geniale Qualität hat. Die Gläubigen haben sogar eine Garantie dafür, dass das alles so passieren wird. Denn Gott hat das alles schon einmal getan, als er Jesus von den Toten auferweckt hat.
Dass Gott ein neues Leben nach dem Tod schenkt, gilt nicht nur für die Thessalonikier im ersten Jahrhundert. Auch heute ist diese Aussage für viele Christen ein zentraler Punkt ihres Glaubens. Durch sie erleben sie Trost und Geborgenheit in ihrer Trauer, auch wenn Verzweiflung und Verlust dadurch nicht einfach verschwinden. Ähnlich wie ein schöner Novembertag in einer Reihe von nebeligen Tagen, gibt ihnen dieses Gefühl jedoch die Kraft, weiterzugehen und die Hoffnung nicht aufzugeben.
(Foto:mattox/ sxc.hu)
Autor: Hanna Keller



